Was macht Wissenschaft aus? Auch im Nachgang zur Bewältigung der Coronapandemie wird diskutiert, wer wann was erforscht hatte.
Denn es geht nicht darum, die eine Wahrheit für ewig zu finden, sondern das, was den jetzigen Wissensstand darstellt, zu erklären. Und der kann von der nächsten Studie hinterfragt sein. Manches wird zum Nutzen des Aufenthalts im Grünen schon gewusst, das möchte ich in Begleitung des BaumEntscheids an Studien über des Wohlsein vom Lebens mit dem Grünen darstellen:
Vor Kurzem wurde im Tagesspiegel eine Studie vom Berliner Psychiater Mazda Adli vorgestellt: Es geht um die Gefühle von Menschen, die in der Stadt leben, um die Einsamkeit, gerade die bei jungen Menschen, die durch die Coronapandemie „überdurchschnittlich aus ihren Lebenswegen gerissen wurden.“
Dazu läuft eine Studie „Deine emotionale Stadt,“ die er mitbetreut. Das Stadtleben ist gefährlich für die Seele: Depressionen sind um 40% höher als in Dörfern, Angststörungen um zwanzig. Mehr dazu ist zu lesen unter: https://futurium.de/de/blog/wir-erfassen-die-gefuehle-der-menschen-in-echtzeit. Vielleicht können Sie sich auch an der Studie beteiligen!
Tage drauf lese ich, dass eine Krankenkasse berichtet, die Diagnose „Depression“ sei um 50% der Versicherten erhöht.
Wie kann „man“ mit solchen Zahlen umgehen? Vielleicht mehr öffentliches Grün anbieten? Dafür sorgen, dass das Tempelhofer Feld weiter eine Freifläche bleibt, in der das Auge in der Ferne schweifen kann, man sich vorstellen kann, wie ein Horizont aussieht? Mehr Grün pflanzen? Dafür wäre ich.
Manche Wissenschaftler finden Details wichtiger: das Ergebnis läge auch daran, dass psychische Krankheiten nicht mehr etwas wären, wofür man sich schämen müsste, und deswegen man nun öfter „zugibt“, depressiv zu sein.
Das alles ist richtig, aber wäre es nicht auch für „nur“ dreißig Prozent lohnend, etwas zu tun, von dem wir wissen, dass es Lebensfreude und körperliche Gesundheit verbessert, nämlich das öffentliche Grün in Städten zu fördern, oder reicht es dann, erleichtert zu sein und einfach „weiter so“ zu machen?
Frau Dr. Alena Buyx, die inzwischen Mitglied des Expertenrats „Gesundheit und Resilienz“ der Bundesregierung ist, findet, dass „mehr Eigenverantwortung zu nehmen und selbstbestimmt zu handeln“ für jeden Einzelnen ansteht. Selber schuld, reiß Dich zusammen!
Ich denke an die Kinder und Jugendlichen, an Mädchen aus Haushalten, die in der Nähe vom Tempelhofer Feld leben: deren Übergewicht ist deutlich gesunken, seitdem das Feld öffentlich zugänglich ist. Ganz Berlin wird Grün!
Herr Adli berichtet im Interview, dass Einsamkeit auch die Lebenszeit verkürzen kann, mehr als Rauchen, Alkoholmissbrauch oder Fettleibigkeit. Und dass einsame Menschen, dem demokratischen System eher misstrauen, „Institutionen wie Regierung, Medien und etablierte Parteien eher ablehnen, weil sie das Gefühl haben, dass diese ihre Interessen nicht vertreten.“
Und was sollte Berlin verbessern? Adli dazu: „Wir brauchen nicht-kommerzielle Begegnungsflächen, wo Menschen auch spontan zusammenkommen können.“ Insgesamt steht Berlin nicht schlecht da, viel Leben findet außerhalb des Zuhauses statt, Museen, Konzerte, Kulturzentren.
Aber: Welche Kinder, welche Jugendlichen kommen da an, wessen Eltern haben das Eintrittsgeld?
Beim Suchen im Netz fand ich auch interessante Äußerungen von praktizierenden Ärzt*innen zu den gesundheitlichen Folgen der Klimakrise. Davon schreibe ich das nächste Mal.