Gärten in Italien

Schon beim Buchen unserer Unterkünfte für Reisen löst das Wort Garten im Namen Vorfreude aus, Hoffnungen, die sich nicht überall, aber in diesem Jahr auf Sizilien erfüllten. In einigen Bed and Breakfast (B & B’s) mit Gärten, waren wir schon zum wiederholten Mal und konnten gar Entwicklungen studieren. (Wer sich für die Namen interessiert, kann nachfragen!)

Bei der ersten Reise war ich auf Sizilien nur überwältigt davon, dass Pflanzen, die bei uns ihr Dasein in Zimmern und im Kübel fristen müssen, sich hier sommers wie winters ausleben können und ungeahnte Formen und Größen erreichen. Im Buch zitierte ich dazu Goethes Worte von 1787 im Kapitel zu den Gärten in Florida. Hat er diesen Gedanken nicht schön ausgedrückt!?

Da sind „Zimmerhibiski,“ die größere Blätter und Blüten mit einer Vielfalt an Farben haben, und mit denen es unsere winterharten im Garten nicht aufnehmen können. Bougainvillea bilden Hügel, Lavendel wächst über einen Meter hoch und schimmert neben silbrigen Olivenbäumen. Manchmal, wie in Donnafugata, überwuchert er die Parkbänke und gibt den Urwald.

Oleander wächst in allen seinen Farben entlang der Straßen; in Syrakus wird er zum Hochstammstraßenbaum geschnitten. Opuntien sind überall wild verteilt, ihre Früchte werden als indische Feigen verzehrt, man kann sie auch kaufen. Sansevieren werden zu großen Straßenbegleitern. Und filigran und hellgrün bildet Spargel große Hecken.

Wuchernder Lavendel im Castello di Donnafugata.

Gummibäume, groß- und kleinblättrige, wachsen zu Riesenbäumen heran, Yucca blühen hoch oben an den Spitzen und werden noch überragt von Palmen verschiedener Sorten. Und in jedem Garten steht eine Kakteenecke, manche bilden ganze Landschaften. Echinocactus grusoni gibt es in verschiedenen Größen. Er heißt auf Italienisch Schwiegermutterkissen, was noch etwas gehässiger ist, als der deutsche Schwiegermuttersitz.

Gerne spreche ich über schöne Gärten. Schon deshalb bevorzugen wir die B & B’s: Die Gastgeber sind meist älter als die Angestellten in Hotels und sprechen geduldig italienisch, während die Jüngeren gerne ihr Englisch anwenden möchten. Es geht auch sprachlich immer besser und ich kann Fragen stellen, auch über Konzepte, über Sorgen und die Erfolge loben. Inzwischen glaube ich, bei aller Verschiedenheit, doch erkennen zu können, dass italienische Männer und Frauen bei Gärten ähnliche Vorlieben haben, wie anderswo. Dazu das Kapitel zu Frauengärten und Männergärten.

Männer interessieren sich vor allem für große Bäume, aber nicht solche, die schon in der Natur vorkommen: Pinien oder Palmen müssen schon besonders groß sein, um in die Planung einbezogen zu werden. Auch in den botanischen Gärten stehen mir ganz unbekannte Bäume, die möglichst von weit herkommen, einige, in Palermo und Catania sind weit über hundert Jahre alt und riesig geworden. Der in Palermo ist über 200 Jahre alt! Sie haben Namen wie Washingtonie, Falscher Kapokbaum (Chorisia). Während es die Gummibäume, groß- oder kleinblättrige, auch als Straßenbäume zu sehen gibt.

In Bologna, an der Piazza Cavour, habe ich zum ersten Mal große, ausgewachsene (?) Gingkos gesehen. Sie entwickeln keine Krone und zeigen Äste, die in großen Abständen vom Stamm ausgehen.

Bei einem Baum, dem Brachychiton, konnte ich die Begeisterung der Besitzer des Ferienhauses teilen, aber erst, als ich die Fotos von ihrer Frühlingsblüte sah. Vorher hatte ich mich eine Woche lang gefragt, warum dieser Baum hier direkt vor die Terrasse angepflanzt worden war. Er hatte zwar einen ungewöhnlich glatten Stamm, wie ein Gummibaum, aber sonst nur große dunkelgrüne Ahornblätter.

Beim Abschied fragte ich noch, wie der Garten denn im Winter aussähe, und es lohnte sich: Die Bougainvillea werfe ihr Laub ab, die „Zimmerhisbiski“ nicht, sie blühen sogar und werden dann im Vorfrühling kräftig zurück geschnitten. Es gab auch einen winterharten Hibiskus, mit kleineren Blättern und Blüten, ja, er würfe auch sein Laub ab, wie der Brachychiton, der dann aber im Februar über und über mit Blüten bedeckt sei: Die Besitzer, ein Ehepaar, zückten beide ihre Smartphones und zeigten ein pinkfarbenes Blütenmeer und einen eben solchen Teppich auf dem Rasen. Erst im April kämen dann die Blätter.

In Palermo gibt es neben dem sehenswerten botanischen Garten noch die tagsüber öffentlich zugängliche Villa Giulia. Dort stand eine ganze Reihe von ihnen. Auf YouTube werden Sie Zeuge, wie einer in Australien umgepflanzt wird und sie lernen, wie man ihn auf Englisch ausspricht! Meine Lehre: Bevor man sein Urteil über Bäume fällt, sollte man sie sich auch in anderen Monaten als im September ansehen …

In Catania ist die Betreiberin des B & B eine studierte Agronomin und kannte alle Pflanzennamen. Und sie hat einen verträumten Garten, mit vielen Sträuchern und Rankpflanzen, so dass die Pergola ganz eingewachsen ist. Es gibt Hecken mit sizilianischem Jasmin, der mit weißen Sternchen blüht, die größer werden als die unseres Winterjasmins. Die Wisterie bot einen dichten Sonnenschutz der Pergola. Lange dicke Bohnen hingen von den Pflanzen herunter, sie erzählte, dass dies das erste Jahr gewesen sei, indem die Wisterie Früchte trug.

Und von der Bignonia gialla, einer einjährigen gelb blühenden Rankepflanze, habe ich Samen genommen, mal sehen, wie sie sich bei uns machen wird. Ihr Konzept war immer etwas Blühendes zu haben. Interessant und für mich neu die Duranta, ein hoher Strauch, der hellblau blühte, wie ein Plumbago, aber gleichzeitig hellorange Beeren trug. Und den alten Olivenbaum hatte sie gelassen, weil er im Winter sein silbriges Laub behält.

Wenn ich von einem Garten auf Sizilien träume, dann wird er mehr wie der letztere sein, der für mich ein Frauengarten ist. Aber vielleicht gäbe es doch einen Brachychiton, mindestens eine Palme und, wenn der Garten groß genug wäre, am Rande eine Araukarie und in der Ferne eine Zeder.

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