André Hellers Garten am Gardasee

Seit unserem Besuch in Anima, dem von ihm geschaffenen Garten in Marokko, musste ich unbedingt auch André Hellers Garten am Gardasee besuchen. Er liegt am Gardasee in Gardone Riviera. Nun haben wir es geschafft! In älteren Reiseführern ist von einem Botanischen Garten die Rede, geschaffen von einem „deutschen Zahnarzt“ Dr. Hruska im frühen 20. Jahrhundert.

Heller hat den Garten 1988 gekauft und umgestaltet. Über zwanzig Skulpturen, teils von namhaften Künstlern geschaffen, sind in der Landschaft verteilt. Buddhas sind dabei, auch ein Pan. Dazu gibt es eine Liste mit den Namen dieser Kunstwerke und ihrer Schöpfer. Am originellsten die „mostri spuntanti“, (spuckende Monster) von Heller selbst geschaffen: zwei Männerköpfe, asiatisch anmutend, die in drei Metern Abstand voneinander sich abwechselnd anspucken.

Der Garten ist eine Sammlung aus verschiedenen Weltregionen, es gibt das zentralamerikanische Tiefland, eine indochinesische Landschaft, die Dolomiten und eine afrikanische Savannenlandschaft, acht Seen, den Monetsee, den Koi- aber auch den Strawinskisee. In einem Interview, das im April 2021 mit Andre Heller geführt wurde, bezeichnet die italienisch sprechende Journalistin den Garten als „Wundergarten“. Das sticht aus dem italienischen Text hervor und passt.

Die großen Bäume aus aller Welt sind noch von Hruska gepflanzt, es gibt eine Liste mit fast einhundert Pflanzen, auf der auch jeweils die Herkunft notiert ist. Bei Wikipedia lese ich mich fest über Arthur Hruska (1880–1971), in Innsbruck geboren und somit Österreicher. Er forschte über Zahnfüllungen, erkennt die Paradontose als Zivilisationskrankheit (eine Publikation hat er 1952 über die Paradentosis of the cave-bear and some hominid fossils verfasst, wohl mit zwei seiner Söhne) und wird mit einundzwanzig Jahren schon der Zahnarzt des Zaren in Petersburg, aber eine Sehnsucht bringt ihn nach Italien an den Gardasee.

Zwischen 1910 und 1914 erwirbt er das Kernstück für diesen Garten, der aus einem Weinberg und einem Olivenhain entstand. „Damit verfolgte er seinen botanischen Traum, der Erschaffung eines Weltgartens. Immer wieder pflanzte er im Laufe der Jahre neue exotische Pflanzen an, erschuf künstliche Berge im Zentrum des Gartens; aus umliegenden Quellen gespeiste Bachläufe wurden zu einem Geflecht mit vielen Teichen erweitert.“ Nach seinem Tode verkümmert der Garten, erst 1988, nach der Übernahme durch die André-Heller-Stiftung, blüht er wieder auf.

Hruska interessierte sich für natürliche Vorgänge, auch den Verfall der Pflanzen, seine Kinder redeten vom Garten als „Elefantenfriedhof“, heute würde man von „nachhaltiger Entwicklung“ reden. Mein Eindruck ist, dass die Raumgestaltung und Anpflanzungen sein Werk waren, und Heller durch die Kunstobjekte gelungen neue Akzente setzte.

Anfang September blühten Dahlien, Herbstanemonen, chinesisches Bleiwurz, Herbstzeitlose und Rudbeckien als Knollen, bzw. Stauden, Hibiski, Oleander, Lagerströmien und vereinzelt Rosen als Sträucher. Einige Orchideen waren in Töpfchen an Baumstämme gehängt. Im Frühjahr muss es wie ein Traum sein, wenn riesige Kamelien, Magnolien, Azaleen und Rhododendren blühen.

Man muss etwas ansteigen, und kann dabei die in den Wegen eingearbeiteten Mosaike bewundern, allerdings sollte man feste Schuhe tragen. Der Spaziergang durch André Hellers Garten am Gardasee dauert etwa eine Stunde, oben, am Poetensee, neben dem Zitronenhain, gibt es ein kleines Café, wo auch Ableger zu kaufen wären.

2014 verkauft die italienische Stiftung „Fondazione Andre Heller“ den Skulpturengarten an den österreichischen Immobilien-Investor Günter Kerbler, der Park wird jedoch weiter unter der Marke Heller geführt. Aus dem Interview vom April 2021 geht hervor, dass Heller kaum noch da ist, er lebt in Marokko und in Wien betreut er zwei neue Parkprojekte. Meine zwei Anfragen an die jetzigen Betreiber über den Beitrag Hruskas blieben unbeantwortet, so, als wenn sein Anteil vom Glanze Hellers überstrahlt worden wäre.

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