Der Secret Garden in Marrakesch ist ein islamischer Garten

Secret Garden in Marrakesch

Der Secret Garden in Marrakesch ist ein islamischer Garten und liegt inmitten des Riads, des Anwesens.

Nach außen durch hohe und fensterlose Mauern abgeschlossen, sind innen Beete in geometrischen Formen angelegt. Je nach Wohlstand des Erbauers gibt es Pavillons, Hamams, reich geschmückt mit farbenfrohen Ornamenten, auch sie sind meist geometrisch angelegt, allenfalls florale Elemente dürfen sie erhalten. In einem Reiseführer war bei den Palästen vom horror vacui, der Angst vor der Leere, die Rede.

Ob mit der ornamentalen Fülle wettgemacht werden soll, dass der islamische Glaube die Darstellung von tierischen oder gar menschlichen Lebewesen verbietet?

Wir gingen mit großer Erwartung in Marrakesch auf die Suche nach dem geheimen Garten, kauften uns extra eine Straßenkarte, um den Weg durch die Medina zu finden. Medina bedeutet Fülle und Chaos. Die kleinen Gassen gehen durch einen riesigen Basar, an Marktständen vorbei. „Ballack“ wird gerufen wenn ein Lastentier, oder ein Mensch mit Sperrgut vorbeikommt, dann wird Platz gemacht. Wir hatten zweimal nach dem Weg gefragt, hätten an einem Brunnen abbiegen müssen und hatten es dann doch verpasst. So mussten wir einen Führer in Anspruch nehmen, der uns, gefühlt, doppelt so weit wie nötig, führte. Kurz bevor wir misstrauisch wurden, weil uns die Geschichten von Touristenfallen einfielen, standen wir vor dem geheimen Garten, es war ein niedriger, aber beflaggter Eingang, und hinter ihm lag das kleine Paradies.

An dieser Stelle sollten sie sich ein Bild machen, etwa unter Le Jardin Secret, oder mit Herrrothwandertwieder den Aufbau betrachten, sie sähen den Turm und auch die Dachterrasse, in der das Café untergebracht ist und die vielen mit wertvollen Steinarbeiten geschmückten Brunnen.

Dieser Garten wurde vor vielen Jahrhunderten angelegt, und hatte, auch das verrät das Internet, eine wechselvolle Besitzergeschichte. Er besteht aus einem großen marokkanischen und einem kleineren internationalen Teil, alles zusammen etwa so groß wie 8-10 Tennisplätze.

Secret Garden in MarrakeschMan tritt in den kleineren internationalen oder exotischen, Teil ein. Ein Garten Eden sollte es sein, mit Pflanzen von allen fünf Kontinenten. Es blühten gerade die Ceiba aus Lateinamerika. Anfangs hielt ich die großen weißen und rosafarbenen Blüten für Blüten der kleineren Stauden, sie lagen, wie frisch erblüht, auf den Zweigen, bis ein Blick nach oben die Quellen der Blüten erklärte. Auch dieser Garten hat einen großen Brunnen, in dem Schildkröten leben.

Vielleicht kann jemand meine Frage beantworten: Hat der Baum nun, im Herbst, geblüht, weil er in Lateinamerika im Frühling blüht, so wie die meisten Bäume? Oder blüht er da auch im dortigen Herbst, der ja bei uns der Frühling wäre?

Im großen islamischen Garten sind vier gleichgroße Rechtecke bepflanzt, die durch Wasserrinnen getrennt und durch Rosmarinhecken eingefriedet werden. Das Wasser wird in unterirdischen Leitungen vom Atlasgebirge bis in die Gärten geführt, angetrieben nur von der Schwerkraft. In einem Nebengelass kann man sich über diese alte marokkanische Technik informieren.

Secret Garden in Marrakesch

Wir waren im Herbst da, wir sahen viele Gräser, deren Blüten zum Teil gelb oder weiß waren. In einem der Filme war man im Frühsommer da und sah, wie die vielen Gräser in unterschiedlichen Höhen in Form geschnitten wurden und schöne Strukturen bilden. Bei unserem Besuch vermittelten die Gräser einen ganz anderen Eindruck. Wieder einmal sehe ich, dass man in schöne Gärten mehrmals, und am besten zu unterschiedlichen Jahreszeiten gehen sollte.

Der Garten wurde in diesem Jahrtausend von einem Italiener, Herrn Lauro Milan mit finanzieller Hilfe eines italienischen Konzerns, hergerichtet. Es gibt Filme über die handwerklichen Arbeiten. Sie sollten sich wegen des Cafés auf der Dachterrasse und der vielen museumspädagogischen Angebote Zeit für den Besuch nehmen.

Secret Garden in Marrakesch

Später, auf dem Rückweg, verstanden wir, dass der „Brunnen“ an dem wir hätten abbiegen müssen, ein Wasserhahn war in einem Mäuerchen über einem Ausguss, nur wenig größer, als der in unserer Waschküche.

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