Jardin Majorelle von Yves Saint Laurent in Marrakesch

Jardin Majorelle von Yves Saint Laurent in Marrakesch

Einer der Gründe, warum ich nach Marrakesch fahren wollte, waren die Berichte und Bilder des Jardin Majorelle in Marrakesch von Yves Saint Laurent. Das wundervolle Blau von Haus und Blumentöpfen musste ich selbst sehen!

Im Englischen Gärtner, dem Buch von Robin Lane Fox, das ich rezensiert hatte, ging es nicht nur um die beiden letzten Besitzer, Yves Saint Laurent und seinen Lebenspartner Pierre Bergé. Wir lesen auch vom Schöpfers des Gartens, dem französischen Malers Jacques Majorelle, der die Pflanzen ausgewählt hatte und von dessen Liebe zu den Berbern, die er bei Reisen in das Atlasgebirge schätzen gelernt hatte.

Um es vorweg zu sagen, der Besuch selbst machte nicht so viel Spaß, wie das Lesen über den Garten. Und jetzt, beim Schreiben, gefällt mir das Lesen wieder — ohne, dass Lust aufkäme, ihn noch einmal zu besuchen.

Jardin Majorelle von Yves Saint Laurent in MarrakeschBemerkenswert ist die Geschichte der Berber, denen im Museum auch eine kleine Ausstellung gewidmet ist: Googeln sie mal Berberblau! Die Farbe der Tuaregs! Zwischendurch kommen dann immer kleine VW Tuaregs in Blau. Dieses Blau war im letzten Jahrhundert der Hingucker im rot- und ockerfarben gehaltenen Marrakesch. Es war auch eine politische Aussage, einen Aspekt dieser Kultur der Minderheit in die Stadt zu bringen. Im nächsten Beitrag, über das Safranparadies der Schweizerin Christine Ferrari, erzähle ich noch mehr über die Berber; sie ist auch ein großer Fan von ihnen. Unser Reiseleiter hatte sich als Berber vorgestellt und eine Woche lang ausführlich von ihrer Lebensweise geschwärmt.

Aber der Nachgeschmack meines Interesses am Majorelle Garten kommt von der Auseinandersetzung mit kolonialer Geschichte, die in diesem Jahr bei uns zu den schönen Künsten geführt wird. In diesem Jahr waren wir zu Ostern in Paris und sahen zwei Ausstellungen: Le modèle noir im Musée du Quai d’Orsay und L’orient revé des peintres (Der Orient erträumt von Malern) im Marmottanmuseum, da, wo im Untergeschoss die großen Seerosenbilder Monets sind.

Und diese Woche war ich im Kunsthaus Berlin Dahlem, wo bis zum 5. Juni 2020 Skulpturen deutscher Bildhauer aus dem letzten Jahrhundert ausgestellt sind, die ihre Begegnung mit Menschen aus Afrika verarbeiteten. Heute sehen wir diese Skulpturen mit anderen Augen an, manche erkennen wir als rassistisch. Während es bei den schwarzen Modellen in Paris auch um dunkelhäutige Menschen beider Geschlechter ging, sahen wir im Marmottan meist begehrenswerte und willige Frauen. Offenbar Bilder vom Traum eines Orients, wie ihn Männer fantasierten. Sehen Sie selbst unter: L’Orient rêvé des plus grands peintres, l’exposition – Musée Marmottan Monet Vidéo! Der Text ist zwar auf Französisch, aber man erkennt leicht, dass die Frauen wenig oder gar nicht bekleidet sind und zugänglich wirken, manche Bilder sind wie Softpornos.

Jardin Majorelle von Yves Saint Laurent in MarrakeschIm neunzehnten Jahrhundert war, nach Napoleons Ägyptenfeldzügen in Frankreich, auch Nordafrika Ort für Projektionen. Im zwanzigsten Jahrhundert hat Majorelle, ein Franzose im französisch beherrschten Marokko, mit zunehmendem Alter vollbusige Nackte, gemalt, Fox spricht von „naked negresses“ die, Brüste und Hüften schwingend, in seinem Garten Modell standen. Fox stellt sich als Kontrast dazu Yves Saint Laurents flachbrüstige Models vor.
Im Garten selbst findet man von Majorelles Leben keine Spuren mehr, allerdings lesen wir, dass seine Gartenplanungen bei den Gärtnern und seiner Witwe erfragt wurde. Das Paar Saint-Laurent/Bergé hat diese dann befolgt. Den Letzteren wird in großem Rahmen gehuldigt, mit einer Stele und Gedenktafeln, sowie Ausstellungen von Modeerzeugnissen von Yves. Wir erfahren, dass er in Oran im französischen Algerien geboren und aufgewachsen ist und Nordafrika seine Heimat blieb.

Vielleicht hätte mir der Garten besser gefallen, wenn er nicht so voll gewesen wäre. An einem Freitagnachmittag Anfang November waren wir einfach zu viele Menschen. Man wurde genötigt, die einzelnen Teile in vorgesehener Reihenfolge zu erlaufen. Ich gehe gerne erst einmal ein bisschen hier und da und folge danach erst der geplanten Tour.

Neben den schon in den beiden anderen Berichten vom Grün in Marokko beschriebenen Pflanzen, wie zum Beispiel die 20 Meter lange, blühende Solanumhecke, gab es sehenswerte Zusammenstellungen von Palmen und Kakteen. Lane Fox beklagt in seinem Buch, dass er zu wenige erkannte, da manche nur nach 30 Jahren blühen, konnte er sie auch nicht an ihren Blüten zu erkennen. Viele Pflanzen stehen in ihren in Majorelleblau angestrichenen Töpfen auf Sandstraßen, mit sorgfältig geharkten Rillen. Alles war überpflegt, eine Frau lief mit einem Korb umher und hatte die Aufgabe, braunwerdende Blätter zu entfernen.

Jardin Majorelle von Yves Saint Laurent in MarrakeschDie wenigen Bänke waren besetzt. Ich stellte mir vor, wie es wäre, mit Kindern hier zu leben. Dazu gibt es mein Buchkapitel über Frauen- und Männergärten, indem ich erkläre, was für mich einen Männergarten ausmacht. Der Majorellegarten erfüllt alle Kriterien, und wirkte dazu noch wie aus alter kolonialer Schule.

Zum Schluss gab es dann noch, wie um meinen Eindruck zu beweisen, folgende Szene: Ein etwa Vierjähriger, der neben seiner Mutter am Rand eines Wasserbeckens saß, klopfte mit der Hand auf das Wasser. Die Wärterin, von denen es einige gab, da kontrolliert wurde, ob man die Runde die vorgeschrieben war, machte, schrie: „Monsieur!“ Der kleine Junge fühlte sich nicht angesprochen und spielte weiter, dann musste sie richtig laut werden, bis die Mutter sein Spiel unterband. Warum durfte er nicht mit dem Wasser spielen? Mein Eindruck war aber nicht etwa, dass sie befürchtete, er könne ins Wasser fallen, er störte eher.

Nach kurzem Besuch in Berbermuseum, Yves‘ Modeladen und üppigem Souvenirshop war ich ganz froh, dann wieder im richtigen Leben von Marrakesch zu stehen.

1 Kommentar

  1. Wir haben den Jardin Majorelle in Marrakesch in November vor 3 Jahren besucht aber an einem Wochentag und da konnten wir alles in Ruhe geniessen und auch uns auf einer Bank ausruhen. Man sollte nicht am Freitag hingehen, Das ist ein muslemischer Feiertag in Marokko wie der Sonntag in Deutschland.

    Die vielen Palmen und Kakteen und das faszienierend wunderbar leuchtende Blau der Mauern haben mir sehr gut gefallen.

    Die Beschreibung ist sehr schön und die Erwähnung der Geschichte des Gaertens Majorelle ist sehr gelungen.

    Dr. Abdulhamid Kashgari

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