Rezension: Von Bienen und Menschen: Eine Reise durch Europa von Ulla Lachauer

Von Bienen und Menschen: Eine Reise durch EuropaAuch für ihr Buch Von Bienen und Menschen: Eine Reise durch Europa nimmt die Autorin uns mit auf ausgedehnte Reisen, am Anfang und zum Schluss sind wir wieder bei Galina in Jasnaja Poljana, dem ehemaligen Trakehn bei Kaliningrad, wo wir schon beim Akazienkavalier waren. Die Reise geht bis zu den Pyrenäen, und über Gotland nach Slowenien. Einmal geht es nur von Lüneburg kurz mal über die Elbe, in das ehemalige Zonenrandgebiet, wo nach dem Mauerbau im Todestreifen Bienen gehalten wurden.

Ulla Lachauer‘s Kunst besteht darin, in ihren Gesprächen eine vertraute Atmosphäre zu schaffen, so dass die Menschen gerne von den Bienen in ihren Leben erzählen. Im Vorwort lesen wir, warum sie verstehen möchte, was Bienen den Menschen bedeuten, früher, während der gesellschaftlichen Umbrüche dieses und des letzten Jahrhunderts und jetzt, wo durch die Gifte der industriellen Landwirtschaft Bienen und andere Insekten sterben.

Zwischen den Texten stehen Rezepte, die sich für verschiedene Honigarten eignen, man liest, wie unterschiedlich Honig ist, je nach der Tracht, also der jeweils blühenden Pflanzen. Und wir lernen, dass Tannenhonig von Ausscheidungen von Blattläusen gewonnen wird, also eigentlich ziemlich eklig ist.

Ein Glossar zum Schluss klärt auf über das zur Bienenhaltung verwandte Vokabular und endlich glaube ich nun, deren ungewöhnliche Paarungsabläufe verstanden zu haben.

→ weiterlesen

Winterzeit ist Lesezeit

Winterzeit ist Lesezeit

Winterzeit ist Lesezeit und wenn nach Weihnachten und Neujahr immer noch Lockdown ist, kann man sich auch an dickere Bücher heranwagen. Ich lese gerade ein solches, über vierhundert Seiten mit dem Titel: Reise um meinen Garten. Es ist vor 175 Jahren in Frankreich erschienen und in fast sechzig Briefen verfasst, die ein Alphonse Karr, Hobbybotaniker und Insektenforscher an einen Freund schreibt, der gerade auf Weltreise ist. Neid auf dessen Abenteuer habe er bekämpft, beteuert er, ihm reiche sein Garten, während der arme Reisende wahrscheinlich noch nicht einmal weiß, ob er in der Fremde etwas zu Essen bekommt.

→ weiterlesen

Sprachreisen durch die Gärten der Welt im Home Office

Knospe von Stinkenieswurz (Helleborus foetidus).

Auch in meinem Garten blüht immer etwas, aber nicht genug für ausgedehnte Besuche.

Borretsch

Wenn ich richtig unternehmungslustig bin, mache ich Gartenreisen ins Ausland, in Länder, in denen ich die Sprache verstehe. Englisch kann ich am besten, da sind die Angebote der RHS, der königlichen Gartengesellschaft, die erste Adresse. Es gibt richtige Shows: Ein Sprecher, der Verleger der monatlichen Zeitschrift Garden, geht mit den Botschaftern der Gesellschaft, den Ambassadors, durch ihre Gärten, oder besser Anwesen, und erfragt immer neue Aspekte über deren Konzepte und Planungen.

→ weiterlesen

Rezension: Unsere Welt neu denken: Eine Einladung von Maja Göpel

Unsere Welt neu denken: Eine Einladung von Maja GöpelDas Buch Unsere Welt neu denken: Eine Einladung von Maja Göpel hat nur 200 Seiten, aber die haben es in sich: Die Klimakrise wird nicht erst beschrieben, es geht darum, welches Wirtschaftssystem nötig wäre, um sie aufzuhalten. Wir sind eingeladen, mitzudenken. Am Ende jeden Kapitels stehen weitergehende Gedanken zum Gesagten, wie ein Abspann.

Unsere Utopien haben sich in Dystopien verwandelt, Ursache ist die derzeitige Produktionsweise. Diese wird von ihren Kollegen Wirtschaftswissenschaftlern als gottgegeben gelehrt. Maja Göpel, die promovierte Volkswirtin und Professorin, nimmt uns mit in eine Vorlesung, als sie junge Studentin war: Es ging darum, wie sich Menschen entscheiden, um ein Auskommen zu haben. Gelehrt wurde, dass Arbeiter immer den höchsten Lohn anstreben, auch wenn es bedeutete, dass sie ins Ausland müssten. Als sie fragte, ob berechnet worden war, „ab wieviel Armut vor Ort und Lohnunterschied Menschen denn ihre Familie verlassen würden und (warum) für einen solchen Aufwand aufseiten der Arbeiter*innen keinerlei Kosten in dem Modell auflaufen würden, wurde es plötzlich still im Hörsaal.“

→ weiterlesen

Rezension: Der Akazienkavalier: Von Menschen und Gärten von Ulla Lachauer

Der Akazienkavalier: Von Menschen und GärtenMit dem Geschenk Der Akazienkavalier: Von Menschen und Gärten von Ulla Lachauer konnte ich zuerst nicht viel anfangen— wo gibt es noch Kavaliere und dann mit Akazien? Aber ich las doch los, und gleich die kurze Geschichte vom Akazienkavalier, hatte sie doch dem Buch den Namen gegeben, obwohl sie im Buch die elfte (von fast zwanzig) war.

Und wurde mitgenommen nach Odessa, in die Zeit kurz nach dem Zerfall der Sowjetunion. Schnell kommen Erinnerungen an andere Orte in Mitteleuropa. Eine Zeit, in der sich Alles änderte, Alles möglich wurde, aber auch Verlustängste geschürt wurden. Wir lernen viel über die besondere Geschichte Odessas, warum dort Akazien, die eigentlich Robinien sind, die Alleen säumen. Wie wurde Odessa in der Literatur beschrieben, was macht den Odessiten aus?

→ weiterlesen

Bäume und Sträucher als Strukturbildner

Bäume und Sträucher als Strukturbildner

Bäume und Sträucher als Strukturbildner im Garten und in Parkanlagen sind sehr wichtig in der Gesamtgestaltung. Eine Baumschönheit ist mir von unseren diesjährigen Tagen an der Ostsee am besten in Erinnerung geblieben: Sie stand im Vorgarten eines edlen Hauses der Usedomer Bäderarchitektur. Was das wohl war? Blätter, wie eine Buche, aber mit hängenden Ästen, und mit einem Durchmesser von gut drei Metern und einer Höhe von nur knapp zweien. Die Bestimmungsapp des Smartphones sprach auch von einer Buche. Zum Glück wusste eine Bewohnerin mehr über diesen Baum. Diese Hängebuche ist ein Naturdenkmal.

Das Alter kannte sie nicht, aber ja, gelegentlich würde die Buche beschnitten, was sicherlich eine hohe Kunstfertigkeit verlangt. Der Vorgarten war bis vor kurzem nicht eingezäunt. Nicht nur kletternde Kinder hatten sich dafür interessiert, ausgewachsene Männer auch, sie hätten gerne nachts nach Kneipenbesuchen ihr Wasser daran abgeschlagen: deswegen musste der Zaun her, der nun der Buche ein langes Weiterleben sichern wird. Wir durften nicht nur vor, sondern auch aus dem Haus fotografieren.

→ weiterlesen

Ein Tag im Herbst vorm Lockdown – Zwiebelsetzen oder Waldspaziergang?

Eigentlich ist jetzt die Zwiebelpflanzzeit. Gekauft wurden die für Tulpen, Narzissen und Hyazinthen bei ALDI im Hochsommer, weil da schon die Angebote kommen, dann möglichst kühl und trocken aufbewahrt bis Mitte Oktober und nun wird gepflanzt. Edleres wird beim Fachhandel erstanden. Das gibt mir auch die Möglichkeit meinen Frust über nicht gekommene oder nicht geblüht habende anzusprechen und zum Trost bekam ich dann immer etwas als Ersatz. Bei ALDI passiert es genauso oft, aber da habe ich es noch nicht versucht, käme mir auch kleinlich vor, weil die Zwiebeln dort sündhaft billig sind.

→ weiterlesen

Herbstastern

Herbstastern

Momentan blühen die Herbstastern. Als wir vor über dreißig Jahren den Garten übernommen hatten, gab es mehrere Quadratmeter voll mittelblauer, halbhoher Astern. Irgendwie ging es mir immer mehr darum, sie zu reduzieren, also, sie „in jute Hände“ zu verschenken, als sie zu genießen. Inzwischen habe ich die blauen an verschiedenen Orten als Wegbegleiter an den Durchgängen angepflanzt. Jetzt, im Herbst, säumen sie den Weg zum Gartentor mit ihrem Blau. So habe ich meinen Frieden mit ihnen gemacht. Aber nun entdecke ich Astern mit neuen Farben, also haben sie einen Blogbeitrag verdient.

Kurpark am Titisee.

→ weiterlesen

Dreihundert Jahre alt: Die Späth’sche Baumschule in Treptow

Dreihundert Jahre alt: Die Späth’sche Baumschule in Treptow! Aber richtig spannend sind die letzten dreißig Jahre!

Mitte Oktober waren wir zu Besuch dort, auf einer Veranstaltung der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur. Geführt wurden wir von Herrn Holger Zahn, der 1987 bei Späth angefangen hatte. Vorher war er in Werder als Fachmann für Obst- und Gemüseanbau ausgebildet worden.

Erst ging es mit der Geschichte der früheren Jahrhunderte los. Das kann man sich gut auf der Webseite anschauen, auch das Jubiläum im September in diesem Jahr ist dargestellt. Was dann kam war wie eine Rückschau auf die letzten Jahrzehnte deutscher Geschichte. Für mich wurde es ein gelungener Abschluss zu den dreißig Jahren deutscher Einheit, die wir in den letzten Wochen feiern konnten.

→ weiterlesen