Rezension: Wir können auch anders Aufbruch in die Welt von morgen von Maja Göpel unter Mitarbeit von Marcus Jauer

Es geht um die anstehenden Veränderungen unseres Umgangs mit dem, was wir Umwelt nennen, sie bevorzugt, Mitwelt zu sagen. Die

 

Autorin ermuntert dazu, sich zu beteiligen, selbst dann, wenn die Rahmenbedingungen dazu beschränkt sind. Jeder Satz, jede Geste zählt, sie ist dann ein „Wirk“.

Die Leitfragen des Buches sind: Wie, wo, wer. Zum Wer fragt sie: „Die Politik? Die Wirtschaft? Die sogenannten Eliten? Wer ist mit diesem Wir gemeint?“

Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin ist seit Jahrzehnten Transformationsforscherin und kennt die (oft gescheiterten) Versuche, die Klimakrise zu verhindern, seitdem der Club of Rome schon 1972 forderte: Nie wieder Probleme isoliert betrachten!

Zu oft führen unerwartete Nebenwirkungen zum Scheitern. Dazu gibt es viele internationale Beispiele, ich greife die derzeit gehegte Hoffnung heraus, das Austauschen von Verbrenner Motoren gegen E-autos würde die Umwelt verbessern. Wie wird die Elektrizität erzeugt? Was machen neue schnelle Straßen mit der Landschaft, mit den Städten? Würden weniger Stehzeuge (der realistischere Name für Fahrzeuge) die Straßen verengen, oder, (das steht nicht im Buch!) in Grünheide bei Berlin eine große Fabrik im Trinkwasserschutzgebiet gebaut wird?

In einer Studie wurde in Dänemark gefunden, dass jeder mit einem Auto gefahrene km den Staat 27 Cent kostet, für Straßeninstandsetzung, Unfälle, Lärm und Luftverschmutzung, jeder geradelte km spart dem Staat 30 Cent. Bei der Transformation wären autofreie Zonen nicht nur schöner anzusehen, auch besser für Kinder und andere Fußgänger.

Im Buch werden Begriffe der Transformationsforschung erklärt und angewandt: Kipp-Punkte, „wie kommen Firmen vom big disconnect zum big reconnect? Was sind Key Performance Indicators?“ sind nur einige.

Es ist aufgebaut in drei Abschnitten:1.) Unser Betriebssystem, 2.) Wie wir den Betrieb ändern und 3.) Wer ist eigentlich wir? wird die Entwicklung der ökonomischen Lehren dargestellt und Schritte für deren notwendige Veränderungen angedacht. So wird am Beispiel von Keynes, aufgezeigt, dass Fortschritt nicht verbesserte Gesellschaften bedeutet. Vor neunzig Jahren mutmaßte er, aufgrund der Entwicklung neuer Technologien in der Zukunft, also in unserem Heute könnte die Gesellschaft „weise, angenehm und gut leben“. Auch der Glaube, nur wirtschaftliches Wachstum sei die Grundlage besseren Lebens wird hinterfragt, neben das BIP sollte ein Indikator stehen, der das Wohlleben (well-being) berücksichtigt.

Am Ende jedes Kapitels steht eine Zusammenfassung, die auch Anregungen gibt, wie das Gesagte verarbeitet oder weitergetragen werden kann. Das schätzte ich schon in ihrem Buch „Unsere Welt neu denken,“ das ich hier auch rezensiert habe, Rezension: Unsere Welt neu denken: Eine Einladung von Maja Göpel. Hier ein Beispiel: „Wichtig ist in diesen Zeiten, klare Prioritäten zu setzen und neue Geschichten zu erfinden, die uns Orientierung für das Wünschenswerte und Mögliche geben, Sinn verleihen und ansteckend sind. Richten wir den Rückspiegel nach vorn, ist das Loslassen nicht mehr so schwer. Merke: in Jedem Vergehen steckt ein Entstehen.“

Die weitere Entwicklung könne auch im Kapitalismus geschehen, hier gibt es das Beispiel vom Bielefelder Produzenten von Insektiziden, Hans Reckhaus, der über Jahrzehnte das Konzept, möglichst viel zu verkaufen, umwandelte in Aktivitäten, die dem Insektensterben Einhalt gebieten: Aufschriften auf den Giften, aber auch Insektenschutzräume auf dem Dach seines Betriebes.

Dazu müssen Spielregeln geändert werden: Eine meiner Lieblingsstellen war die Entwicklung von Monopoly, entwickelt von einer Sekretärin mit dem Ziel auf die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft hinzuweisen: „In kurzer Zeit, ich hoffe, in sehr kurzer Zeit, werden Männer und Frauen entdecken, dass sie arm sind, weil Carnegie und Rockefeller mehr haben, als sie ausgeben können. Das Spiel hieß The Landlord’s Game. Später entwickelte sie auch eine single tax, mit der Grundstücke besteuert wurden, wovon öffentliche Parks und Schulen errichtet wurden. Sie verkaufte die Rechte. Danach, in der Krise Ende der Zwanziger Jahre wurde es Monopoly genannt und die Regel so geändert, dass der/die Spieler/in lernt: Wer hat, dem wird gegeben. Und er/sie lernt, wenn ich nichts habe, muss ich verarmen und untergehen.

Neu war für mich die wundersame Geldvermehrung der Milliardäre in den USA. Wer dort spendet, spart Steuern.

Mir war schon vor Jahren aufgefallen, dass Bill Gates Impfungen in Entwicklungsländern förderte, und damit die Staaten zwang, Prioritäten dort zu setzen, wo vielleicht anderes nötiger wäre: Trinkwasser, Frauenbildung, Abwasserbeseitigung. Die dann eingesparten Steuern konnte er wieder investieren in: Impfstoffherstellende Firmen.

Eine weitere Stärke des Buches sind ihre Erfahrungen als Rednerin, wie sie die Zuhörer/innen motiviert, das Gehörte weiter zu tragen. Und sie fragt sich, warum die Fachleute der Firmen nicht selbst ihr Wissen in die Debatten einbringen, wie ein Betrieb „grüner“ wird. Keiner möchte die Hiobsbotschaften überbringen, was alles geändert werden muss. Dafür bucht man lieber eine Transformationsforscherin, die nur einmal einen Vortrag hält…

Das Buch wird dann mit über fünfzig Seiten mit Quellenangaben abgerundet.

Val d’Orcia—ein ganzes Tal als Denkmal

Von vielen Stellen gibt es diese wunderbare Aussicht, wie von Postkarten bekannt: Zypressen in Reih und Glied, Olivenhaine und dazwischen leere Flächen, ohne Vieh, die jetzt im September, braun waren. Aber wo sind die Gärten?
Die Wirtin im Agriturismo empfahl den Garten von La Foce in der Nähe von Montepulciano, auf der Webseite kann man dann diese herrliche Weite des Tales sehen. Der Garten ist ein Renaissancegarten mit viel hochgewachsenem Buchs, kein Wohlfühlgarten, so gar nicht nach meinem Geschmack. Das Kleingedruckte nahm mir dann jede Lust auf einen Besuch: Tickets online bestellen, Führung in Italienisch oder Englisch für 45 Minuten, vorher und nachher darf man den Garten nicht betreten. Meine Besuche sollen aber so sein: Ich begucke einen Garten gerne eine Weile allein und mache dann, vielleicht, eine Führung.→ weiterlesen

Der Schlosspark Petzow und seine Umgebung

Als wir als eingeborene Westberliner vor über dreißig Jahren Fahrten dahin machten, wo früher die „Zone“ war, ahnten wir nichts von dieser Schönheit des Schlosspark Petzow am Schwielowsee, die schon Fontane so begeistert hatte. Alles schien heruntergekommen und mögliche Aussichten waren verbuscht.

Im letzten Jahr (2022) entdeckten wir die Schinkelkirche anlässlich einer Fotokunstausstellung dort und den Lenné Park am Schwielowsee Auf Reisen begegnet mir (fast) immer ein Lenné Park. Daneben liegt der Schlossgarten, leider umgeben von einer über mannshohen Ziegelmauer, das Tor war verschlossen und Einblicke kaum möglich.

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Rezension: Peter Joseph Lenné: Eine Biographie von Heinz Ohff

Das Buch wirkt klein und schlank und ist doch mehr als eine Biografie. Schon der Untertitel verrät: “Mit einer kurzen Geschichte des Landschaftsgartens von seinen englischen Vorbildern bis zum Volkspark.“ Und wir lernen nicht nur über Landschaftsgärten, wir sehen auch Lennés Rolle darin: „Durch ihn wird die Gartenrevolution zur Gartenevolution. Bei ihm beginnt der Übergang in die Moderne mit allen ihren Licht- und Schattenseiten.“ Die Entwicklungsepochen der Landschaftsplanungen werden mit denen der Literatur verglichen, da wird Lenné zum romantischen Gartenpoet, ist mal der Spätromantiker, meist einfach der Landschaftspoet.

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Mayda Blumenfarm in Berlin Pankow

In nur drei Jahren hat Imke Glaser mit ihrem Mann 1,2 tausend Quadratmeter eines Friedhof-Geländes in eine blühende Landschaft verwandelt. Wir waren am 12.8. mit einer Gruppe des Vereins zur Förderung der Gartenkultur zu Besuch. Nach Vorstellung des Projektes, Diskussion und dem Rundgang gab es Kaffee, Pfefferminztee (aus dem Garten) und Kuchen.

Frau Glaser hatte 2019 die Gruppe Slow Flowers für die deutschsprachigen Länder mitgegründet. Die Anregung dazu kommt aus den USA, dem Herkunftsland ihres Mannes: nach der Besichtigung einer Blumenfarm in Ohio hatten sie sich entschlossen, es auch in Berlin zu probieren: Pflanzen als Schnittblumen zu ziehen, regional, saisonal und nachhaltig.

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Rezension: Dahlienzauber von Sarah Stiller

DahlienzauberDas Buch Dahlienzauber war mein letzter Versuch, mich mit Dahlien zu versöhnen, und es hat funktioniert! Die Autorin hat in diesem kleinen Büchlein auf gut hundert Seiten nicht nur ihre Lieblingsdahlien vorgestellt, sondern auch Pflegeanleitungen gegeben, mit denen ich etwas anfangen kann.

Sie hat einen Blog über ihren Cottagegarten, mit vielen schönen Fotos, einige auch von Profis. Für das Buch wurden viele Dahlienblüten abgeschnitten, teils in Vasen präsentiert, aber auch mit anderen Blüten zusammen fotografiert, um zu zeigen, was gut passt und sich ergänzt. Im Anhang gibt es auch nützliche Adressen.

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Rezension: Der glückliche Horizont: Was uns Landschaft bedeutet von Susanne Wiborg

Dieses Buch Der glückliche Horizont: Was uns Landschaft bedeutet lese ich seit vielen Monaten mit wachsender Begeisterung: Es kommt mit einem breiten Wissen daher, mit vielschichtigen Beobachtungen und Reflexionen, immer neuen Aspekten, es ist kein Buch zum Auslesen. Die Kolumnen der Autorin über ihren Garten mit seinen vielen Gästen mag ich seit Langem. Nun kommt die Bewunderung für ihre Kenntnisse der Literatur zu Landschaften, in allen Epochen der Literatur, aber auch das naturwissenschaftliche und geschichtliche Wissen.

Wer hat alles zu Gärten geschrieben? Sorgfältig mit Textbeispielen zitiert werden antike Griechen, Shakespeare, Goethe, Schiller, Heine, auch Rosegger und viele mir Unbekannte. Schon im Vorwort werden wir, mit Hilfe von Tucholski auf den „Rhythmus der Landschaft“ hingewiesen, die die Dichter beobachtet, gefühlt und dann beschrieben haben. Und getröstet: „Allen Klagen, sogar allen menschlichen Zerstörungs-Anstrengungen zum Trotz hat die Landschaft um uns herum ihre Seele noch nicht verloren.“

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Rezension: Gärten des Jahres 2023 von Konstanze Neubauer und Karl Ploberger

Alle Fotos in diesem Beitrag sind heute in meinem Garten aufgenommen worden.

Das Buch Gärten des Jahres 2023 ist das Ergebnis des jährlichen Wettbewerbes, fünfzig Gärten werden vorgestellt: der des Preisträgers, vier Gärten mit Anerkennungen und die restlichen 45 als Projekte. Die Texte sind von Frau Neubauer geschrieben, das Vorwort von Karl Ploberger, dem österreichischen Gartenjournalisten. Die Gärten kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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Abschiednehmen von den Lieblingspflanzen schafft Raum für neue Lieben

Rosenstadt Eutin.

Abschiednehmen von den Lieblingspflanzen schafft Raum für neue Lieben: Jetzt, in der Rosenzeit, freue ich mich vor allem, wenn sie bei anderen blühen: die Strauchrosen der Nachbarn oder unterwegs in Altstadtstraßen vor Ziegelsteinhäusern, wie in Eutin.

Rosen bei den Nachbarn.

Früher waren die eigenen meine Lieblingsblumen. Das erste Kapitel meines Buches, vor zehn Jahren geschrieben, galt ihnen. Es blieb auch das längste. In den ersten Jahren haben sie nie enttäuscht, haben zuverlässig geblüht. Damals blühten sie von Juni bis in den Juli hinein, der späte Flor kam im Spätsommer und blühte in den Herbst hinein, und die zwei Schneewittchen oft auch noch zu Weihnachten.

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