Gärten in Italien

Schon beim Buchen unserer Unterkünfte für Reisen löst das Wort Garten im Namen Vorfreude aus, Hoffnungen, die sich nicht überall, aber in diesem Jahr auf Sizilien erfüllten. In einigen Bed and Breakfast (B & B’s) mit Gärten, waren wir schon zum wiederholten Mal und konnten gar Entwicklungen studieren. (Wer sich für die Namen interessiert, kann nachfragen!)

Bei der ersten Reise war ich auf Sizilien nur überwältigt davon, dass Pflanzen, die bei uns ihr Dasein in Zimmern und im Kübel fristen müssen, sich hier sommers wie winters ausleben können und ungeahnte Formen und Größen erreichen. Im Buch zitierte ich dazu Goethes Worte von 1787 im Kapitel zu den Gärten in Florida. Hat er diesen Gedanken nicht schön ausgedrückt!?

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Zur Krönung des Tomatenjahrs: Saluti aus dem Land, in dem die Tomaten Eigennamen tragen.

Foto: Wolfgang Luber

Auf der Speisekarte stand ein Gericht mit Linguine, Cernia und Datterini – sind das Tomaten? Wir saßen in Sizilien am Golf von Syrakus mit Blick auf die Stadt. Dass Linguine Nudeln sind wussten wir, Cernia ist Zackenbarsch, sagte das Wörterbuch, aber Datterini? Wie die Teenager bemühten wir auf unseren Smartphones alle möglichen Wörterbücher, aber nur Datteri (Datteln) gab es da. Geschmeckt hat es trotzdem.

Der nächste Tag brachte auf dem Markt in Syrakus des Rätsels Lösung: Es sind Tomaten, die klein wie Datteln sind und auch etwas süß schmecken. An die fünf verschiedene Sorten gab es zu kaufen, Ciliegini (Kirschtomaten) oder Riccio, die aussahen wie Ochsenherztomaten.

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Gärten in Florida

Wir waren schon mehrmals in Gärten in Florida. Es ist die Sehnsucht nach Wärme im Winter, die uns für zehn Stunden ins Flugzeug steigen und dann noch die entwürdigenden Unterwerfungsrituale bei den Kontrollen der US-Einwanderungsbehörden ertragen lässt. Aber wegen der Wärme könnte ich immer wieder dahin reisen. Sehenswürdigkeiten, die uns interessieren, sind rasch angeguckt. Vielleicht haben wir uns auch deshalb viel in den Naturschutzgebieten aufgehalten. Das Wichtigste ist, während der lange Berliner Winter noch andauert, das Draußen Sein. Auf der Terrasse frühstücken, ohne Strümpfe laufen, und auch am Abend noch im Freien Sein.

Florida ist ganz nah am Wasser gebaut, es regnet häufig, selbst in der Trockenzeit, wenn wir da sind. Im Sommer, in der Regenzeit, ist es oft überschwemmt. Die Häuser haben keine Keller. Wegen des hohen Grundwasserspiegels sind die Parks meist nur auf langen Holzstegen zu bewandern. In den Küstenstädten überwiegen als Bäume Palmen, in Wäldern gibt es viele Pinien und als Besonderheit eine Art Zypressen, die viele hundert Jahre alt sein können. Sie wurden von den Siedlern vorgefunden, als sie vor etwa hundertfünfzig Jahren hier ankamen. Mich beeindrucken immer Pflanzen, die auf den Bäumen wachsen, überall gibt es Moose, Spanish Moss hängt in riesigen Bärten von den Ästen herunter. Philodendren, Bromelien und Tillandsien wachsen viele Meter an den Stämmen hoch.

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Frauengärten und Männergärten

Bilder aus dem Garten von Hannah Höch.
Bild aus dem Garten von Hannah Höch.

Gibt es Frauengärten und Männergärten? Jetzt ist die Zeit für Gartenbesuche. Je mehr ich mich mit Gärten, unserem und anderen, beschäftige, umso häufiger frage ich mich, ob man einem Garten ansieht, ob Männer oder Frauen ihn prägen. Auch fällt mir immer wieder auf, dass ich lieber Gartentexte lese, die von Frauen geschrieben wurden. Und ich grübele weiter, welches die Gründe dafür sein könnten.

Schon die Literatur über Gärten scheint geschlechtsspezifisch zu sein. Im gut sortierten Buchladen finde ich viele große Bildbände über Frauen und ihre Gärten, einige davon besitze ich inzwischen. In Die Damen mit dem grünen Daumen (Sandmann) lese ich, dass es schon im 19. Jahrhundert eine Publikation für weibliche Gärtner gab, The Lady’s Magazine of Gardening, herausgegeben von Jane Loudon. „Jane half als Sekretärin bei der Abfassung seines (ihres Mannes d. A.) gewaltigen Hauptwerks, der Encyclopedia of Gardening, in der Loudon den aktuellen Wissensstand zu Pflanzenkunde und den Techniken des Gärtners, aber auch zu den unterschiedlichen Gartenstylen in ganz Europa referiert.“ Sie konnte mit dieser Fachliteratur nichts anfangen, es war ihr zu trocken geschrieben. Genauso geht es mir, wenn ich über eine Pflanze nachlesen möchte und erst einmal durch deren botanische Einordnung geführt werde, verliere ich das Interesse. Was ich lese, vergesse ich gleich wieder, aus Desinteresse. Nichts von diesen langen Ausführungen hilft mir in meinem Garten.

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Jahrhundertweinlese

Dass ich das noch erleben darf – eine Jahrhundertweinlese! In diesem Jahr erfüllen sich alle langgehegten Hoffnungen auf eine gute Weinernte. Vor etwa drei Jahren schrieb ich das Kapitel Erntefreuden, immerhin dreißig Jahre, nachdem der Gutedel (franz. Chasselas) gepflanzt worden war. Die anderen dort beschriebenen sind kurz danach eingegangen. Der Gutedel wucherte und war dabei, den Dachüberstand zu erreichen. Ich las alles, was ich dazu kriegen konnte, und wie ein Mantra wiederholte ich immer: „Der Wein fruchtet nur an einjährigem Holz, das auf zweijährigem Holz wächst.“ So richtig begreife ich das immer noch nicht, aber es wurde klar, warum wir kaum noch Früchte geerntet hatten, über viele Jahre.

Nach aufwändigen Dichtungsarbeiten an der Südwand, wo mein kleines Senkgärtchen liegt, konnte ich hier ganz neu anfangen. Ich kaufte mir im Internet Weinreben, eine Vanessa und einen Muskat bleu, die zu unterschiedlichen Zeiten reif sein sollen. Sie kamen mit einem Etikett, das dazu riet, die Veredlungsstellen unter die Erde zu setzen. Und das, obwohl man überall lesen konnte, dass sie oberhalb sein soll.

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Gärtnern mit Axt und Schere

In den ersten Jahren ging es mir darum, alles schön zu bepflanzen. Überall sollte es üppig sein! Die schon zitierte Eva Demski schreibt über einen Garten, der wie eine Frau ist, die ihre Kleider immer etwas zu klein kauft. Auch meine Blumen sollten kraftvoll hervorquellen. Ich glaube, mein Traum von einem Garten reifte, als ich in den Tropen lebte. Nach einem Regenguss ist eine trockene und braune Steppe in nur einem Tag grün und beginnt im Überschwang zu sprießen. So sollte es hier auch sein! Zum Glück ist der Boden fruchtbar, Humus auf einer Lehmschicht, so dass fast alles gut kommt. Ich pflanzte anfänglich querbeet, überall musste etwas hin.

In den ersten Jahren ging viel ein, fast alle Rosen, von den anderen hielten eigentlich nur Astern, Phloxe und eine Rudbeckien Art durch. Aber nach und nach gedieh dann mehr und es wurde klar, dass viel zu dicht gepflanzt war. Da stand zwar auf den Etiketten die zu erwartende Größe, vor allem bei den Rosen. Aber wenn man nur nach Farbe und vielleicht Duft kauft, passiert es eben, dass man nicht an die zu erwartende Größe denkt. Und so eine Strauchrose nimmt sich ihren Raum.

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Erntefreuden

Als wir den Garten übernahmen, gab es zwei Schattenmorellen, sie müssen mindestens 60 Jahre alt gewesen sein und wurden kurz nacheinander Opfer von Herbststürmen. Da ich ungern im schönsten Sommer einkoche, haben wir stattdessen zwei Süßkirschen gepflanzt, je eine Pflaume und Birne. Erstmals nach acht Jahren gab es bei uns Kirschen, später kamen Pflaumen und Birnen. Zu den vielen Apfelbäumen haben wir einen Boskop gepflanzt, wegen der Apfeltorten, für die man saure Äpfel braucht. Im Sommer gibt es eine Auswahl an Beeren, wobei die Himbeeren am meisten geschätzt werden. Dass die eigenen Früchte besser schmecken, merkt man besonders beim Steinobst.

Ende Juni geht die Ernte los mit den Kirschen, die süße Knubberkirsche trug nach 12 Jahren so viel, dass man viele Menschen damit beglücken konnte. Die im Laden, meist aus der Türkei, sind in der Zeit auch lecker, aber selbst zur Haupterntezeit noch teuer. Gut trägt auch eine Süßkirsche, Dönnissen‘s Gelbe, die in gelber Farbe reif ist. Sie wird wenig von Vögeln angepickt, weil diese eher von der roten Farbe angelockt werden. Wir mögen sie allerdings auch nicht, gehalten wird der Baum aber noch als Befruchtersorte für die Knubberkirsche, wegen der im Zimmer blühenden Zweige im Vorfrühling und als Schaukelhalterbaum.

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Zum Lob der Einjährigen

Seit zwei Wochen ernten wir täglich köstliche Gutedeltrauben. Das nächste Mal schreibe ich über die Weinlese an der Wilmersdorfer Südostwand, wie versprochen. Heute will ich, solange wie die Stimmung sommerlich ist, doch lieber etwas über Blumen schreiben, über neue Erfahrungen mit Einjährigen.

Im Mai besuchten wir die Keimzelle Vichel, um Eve Bubenik zu interviewen. Sie produziert samenfeste Samen. Natürlich kauften wir Einiges, zum Probieren.

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Gärten machen Arbeit

Gärten machen ArbeitGärten machen Arbeit, das ist bekannt. Und dass Gartenarbeit Spaß macht, auch. Aber nicht jede Gartenarbeit macht gleich viel Spaß, und obwohl die Menschen und ihre Vorlieben unterschiedlich sind, gibt es Gartenarbeiten, die niemand wirklich gern macht, bei uns sind das Unkrautausstechen und Kompostumsetzen. Wenn der Rasen riesig ist, wird das Vertikutieren eine Qual, und manchmal sogar das Rasenmähen. Man will ja nicht immer arbeiten, einfach nur im Garten sitzen, oder liegen, ist auch schön.

Bei uns kommt hinzu: das Alter fordert seinen Tribut. Ich sehe meinen Mann nicht gern auf der Leiter, wenn er die eingegangene Clematis aus der Kletterrose entwirrt. Die jüngeren Familienmitglieder sind mit ihren Kindern und dem Berufsleben so ausgefüllt, dass sie die Gartenzeit mehr als wir zur Freizeitgestaltung brauchen. Das heißt, dass sie gerne sitzen oder vielleicht mal eine gemütliche Arbeit machen, im Stehen oder Gehen, was ihnen gerade Spaß macht. Auf Knien Unkraut stechen ist leider nicht dabei.

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Meiner liebsten Gärtnerin gewidmet

Dieser Beitrag ist meiner liebsten Gärtnerin gewidmet. Über die Jahrzehnte lernte ich viele Gartenhilfen kennen. Die meisten waren jung, noch in der Ausbildung oder damit gerade fertig und auf Arbeitssuche. Viele waren Gärtner und/oder Landschaftsplaner, wie unsere Tochter, und jobbten bei uns zum Preis von erst €8, und vor bald zehn Jahren €10. Dies war damals ein sehr guter Preis. Die Begabungen waren so unterschiedlich wie die Kenntnisse, ich übte mich in Geduld und versuchte, sie mit meiner Freude an der Arbeit anzustecken, was immer wieder auch gelang.

Es war interessant, sie bei der Arbeit kennenzulernen. Zum Beispiel gab es darunter eine junge Frau, die mit einem Hund kam, der einer der intelligentesten Hunde war, die mir je begegneten. Eine andere legte immer kleine Feldsteine begrenzend um die Randbeete, die ja bei mir eher unbetont, wie in der Natur, vom Rasen zu den Stauden übergehen sollten. Da ich sie sehr mochte, habe ich die Steine erst entfernt, als sie nicht mehr bei uns arbeitete, weil sie ihr Baby bekam. Weniger Spaß machte ein junger Mann, der schon mal in einem Gartenbetrieb gejobbt hatte und dort verdorben worden war: Er machte alles schnell, schnell, war grob zu den Pflanzen, und, obwohl ich daneben stand und um Sorgfalt bat, machte er mehrere Plastikuntersetzer kaputt, indem er die schweren Kübel darauf plumpsen ließ. Ich war fassungslos. Dann hatte ich ein Jahr lang ein Architektenpärchen aus Ungarn, die in Berlin einen Master machten, und auf niedliche Weise miteinander solidarisch waren, indem sie unangenehme Tätigkeiten immer zusammen verrichteten, meine Vorschläge, die Arbeit anders einzuteilen, freundlich ignorierend. Sie brachten mich damit immer zum Schmunzeln.

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