Jahrhundertweinlese

Dass ich das noch erleben darf – eine Jahrhundertweinlese! In diesem Jahr erfüllen sich alle langgehegten Hoffnungen auf eine gute Weinernte. Vor etwa drei Jahren schrieb ich das Kapitel Erntefreuden, immerhin dreißig Jahre, nachdem der Gutedel (franz. Chasselas) gepflanzt worden war. Die anderen dort beschriebenen sind kurz danach eingegangen. Der Gutedel wucherte und war dabei, den Dachüberstand zu erreichen. Ich las alles, was ich dazu kriegen konnte, und wie ein Mantra wiederholte ich immer: „Der Wein fruchtet nur an einjährigem Holz, das auf zweijährigem Holz wächst.“ So richtig begreife ich das immer noch nicht, aber es wurde klar, warum wir kaum noch Früchte geerntet hatten, über viele Jahre.

Nach aufwändigen Dichtungsarbeiten an der Südwand, wo mein kleines Senkgärtchen liegt, konnte ich hier ganz neu anfangen. Ich kaufte mir im Internet Weinreben, eine Vanessa und einen Muskat bleu, die zu unterschiedlichen Zeiten reif sein sollen. Sie kamen mit einem Etikett, das dazu riet, die Veredlungsstellen unter die Erde zu setzen. Und das, obwohl man überall lesen konnte, dass sie oberhalb sein soll.

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Gärtnern mit Axt und Schere

In den ersten Jahren ging es mir darum, alles schön zu bepflanzen. Überall sollte es üppig sein! Die schon zitierte Eva Demski schreibt über einen Garten, der wie eine Frau ist, die ihre Kleider immer etwas zu klein kauft. Auch meine Blumen sollten kraftvoll hervorquellen. Ich glaube, mein Traum von einem Garten reifte, als ich in den Tropen lebte. Nach einem Regenguss ist eine trockene und braune Steppe in nur einem Tag grün und beginnt im Überschwang zu sprießen. So sollte es hier auch sein! Zum Glück ist der Boden fruchtbar, Humus auf einer Lehmschicht, so dass fast alles gut kommt. Ich pflanzte anfänglich querbeet, überall musste etwas hin.

In den ersten Jahren ging viel ein, fast alle Rosen, von den anderen hielten eigentlich nur Astern, Phloxe und eine Rudbeckien Art durch. Aber nach und nach gedieh dann mehr und es wurde klar, dass viel zu dicht gepflanzt war. Da stand zwar auf den Etiketten die zu erwartende Größe, vor allem bei den Rosen. Aber wenn man nur nach Farbe und vielleicht Duft kauft, passiert es eben, dass man nicht an die zu erwartende Größe denkt. Und so eine Strauchrose nimmt sich ihren Raum.

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Erntefreuden

Als wir den Garten übernahmen, gab es zwei Schattenmorellen, sie müssen mindestens 60 Jahre alt gewesen sein und wurden kurz nacheinander Opfer von Herbststürmen. Da ich ungern im schönsten Sommer einkoche, haben wir stattdessen zwei Süßkirschen gepflanzt, je eine Pflaume und Birne. Erstmals nach acht Jahren gab es bei uns Kirschen, später kamen Pflaumen und Birnen. Zu den vielen Apfelbäumen haben wir einen Boskop gepflanzt, wegen der Apfeltorten, für die man saure Äpfel braucht. Im Sommer gibt es eine Auswahl an Beeren, wobei die Himbeeren am meisten geschätzt werden. Dass die eigenen Früchte besser schmecken, merkt man besonders beim Steinobst.

Ende Juni geht die Ernte los mit den Kirschen, die süße Knubberkirsche trug nach 12 Jahren so viel, dass man viele Menschen damit beglücken konnte. Die im Laden, meist aus der Türkei, sind in der Zeit auch lecker, aber selbst zur Haupterntezeit noch teuer. Gut trägt auch eine Süßkirsche, Dönnissen‘s Gelbe, die in gelber Farbe reif ist. Sie wird wenig von Vögeln angepickt, weil diese eher von der roten Farbe angelockt werden. Wir mögen sie allerdings auch nicht, gehalten wird der Baum aber noch als Befruchtersorte für die Knubberkirsche, wegen der im Zimmer blühenden Zweige im Vorfrühling und als Schaukelhalterbaum.

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Zum Lob der Einjährigen

Seit zwei Wochen ernten wir täglich köstliche Gutedeltrauben. Das nächste Mal schreibe ich über die Weinlese an der Wilmersdorfer Südostwand, wie versprochen. Heute will ich, solange wie die Stimmung sommerlich ist, doch lieber etwas über Blumen schreiben, über neue Erfahrungen mit Einjährigen.

Im Mai besuchten wir die Keimzelle Vichel, um Eve Bubenik zu interviewen. Sie produziert samenfeste Samen. Natürlich kauften wir Einiges, zum Probieren.

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Gärten machen Arbeit

Gärten machen ArbeitGärten machen Arbeit, das ist bekannt. Und dass Gartenarbeit Spaß macht, auch. Aber nicht jede Gartenarbeit macht gleich viel Spaß, und obwohl die Menschen und ihre Vorlieben unterschiedlich sind, gibt es Gartenarbeiten, die niemand wirklich gern macht, bei uns sind das Unkrautausstechen und Kompostumsetzen. Wenn der Rasen riesig ist, wird das Vertikutieren eine Qual, und manchmal sogar das Rasenmähen. Man will ja nicht immer arbeiten, einfach nur im Garten sitzen, oder liegen, ist auch schön.

Bei uns kommt hinzu: das Alter fordert seinen Tribut. Ich sehe meinen Mann nicht gern auf der Leiter, wenn er die eingegangene Clematis aus der Kletterrose entwirrt. Die jüngeren Familienmitglieder sind mit ihren Kindern und dem Berufsleben so ausgefüllt, dass sie die Gartenzeit mehr als wir zur Freizeitgestaltung brauchen. Das heißt, dass sie gerne sitzen oder vielleicht mal eine gemütliche Arbeit machen, im Stehen oder Gehen, was ihnen gerade Spaß macht. Auf Knien Unkraut stechen ist leider nicht dabei.

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Meiner liebsten Gärtnerin gewidmet

Dieser Beitrag ist meiner liebsten Gärtnerin gewidmet. Über die Jahrzehnte lernte ich viele Gartenhilfen kennen. Die meisten waren jung, noch in der Ausbildung oder damit gerade fertig und auf Arbeitssuche. Viele waren Gärtner und/oder Landschaftsplaner, wie unsere Tochter, und jobbten bei uns zum Preis von erst €8, und vor bald zehn Jahren €10. Dies war damals ein sehr guter Preis. Die Begabungen waren so unterschiedlich wie die Kenntnisse, ich übte mich in Geduld und versuchte, sie mit meiner Freude an der Arbeit anzustecken, was immer wieder auch gelang.

Es war interessant, sie bei der Arbeit kennenzulernen. Zum Beispiel gab es darunter eine junge Frau, die mit einem Hund kam, der einer der intelligentesten Hunde war, die mir je begegneten. Eine andere legte immer kleine Feldsteine begrenzend um die Randbeete, die ja bei mir eher unbetont, wie in der Natur, vom Rasen zu den Stauden übergehen sollten. Da ich sie sehr mochte, habe ich die Steine erst entfernt, als sie nicht mehr bei uns arbeitete, weil sie ihr Baby bekam. Weniger Spaß machte ein junger Mann, der schon mal in einem Gartenbetrieb gejobbt hatte und dort verdorben worden war: Er machte alles schnell, schnell, war grob zu den Pflanzen, und, obwohl ich daneben stand und um Sorgfalt bat, machte er mehrere Plastikuntersetzer kaputt, indem er die schweren Kübel darauf plumpsen ließ. Ich war fassungslos. Dann hatte ich ein Jahr lang ein Architektenpärchen aus Ungarn, die in Berlin einen Master machten, und auf niedliche Weise miteinander solidarisch waren, indem sie unangenehme Tätigkeiten immer zusammen verrichteten, meine Vorschläge, die Arbeit anders einzuteilen, freundlich ignorierend. Sie brachten mich damit immer zum Schmunzeln.

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Die Farbe Gelb

bluetenfreuden-luber-farbe-gelb-3Die Winterlinge in der Farbe Gelb sieht man im Vorfrühling viel besser als die Schneeglöckchen. Wir sitzen ja noch im geheizten Zimmer und gucken heraus. Sie bilden bei uns große gelbe Teppiche, die mit ihren breiten hellgrünen Halskrausen wie sommerliche Butterblumenwiesen aussehen. Schon einige Wochen vorher gab es die Zaubernuss mit ihren zarten gelben Würmchen zu sehen. Danach kommen Krokusse und wie kleine Trompeten die Narzissen, und irgendwann die Forsythien und Tulpen. Gelb ist die Farbe, die den Frühling einläutet.

Im tiefsten Schatten blüht die Waldsteinie. An den Beeträndern lasse ich Löwenzahn zu, von weitem nicht zu unterscheiden vom Gemswurz, dem Doronicum. Während sie als Staude nicht immer gut über den Winter kommt, leuchtet der Löwenzahn ohne mein Zutun üppig an allen Beeträndern. Die Enkelkinder sind aus dem Alter des Pusteblume-Pustens heraus, und trotzdem werden sie nicht weniger. Dazu wieder ein Spruch von Karl Foerster. Er wurde gefragt, was er gegen Löwenzahn im Rasen mache. „Lernt den Löwenzahn lieben“ war seine Antwort. (Ein Garten der Erinnerung). Mir gelingt das inzwischen besser als meinem Mann, der sie lieber beseitigen möchte. Ich denke mir einfach, dass sie Gemswurze sind, aus der Ferne sehen sie ja genauso aus.

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Sommerschnitt für die Beerensträucher

Vor dem Sommerschnitt für die Beerensträucher wurde abgeerntet: Rote, weiße und schwarze Johannisbeeren, kleine Walderdbeeren an den Beeträndern und Himbeeren. Die letzteren bekommen keinen Schnitt, weil sie bis in den November tragen, sie heißen autumn bliss. Allerdings sind sie im Herbst nicht so aromatisch wie jetzt.

Einiges davon konnte ich einfrieren, nur die paar Stachelbeeren wurden gleich aufgefuttert. Seitdem gibt es aus dem Garten nur noch Brombeeren und Heidelbeeren zu ernten, bis dann im Oktober wieder die Himbeeren kommen. Dieser Sommer ist so heiß (in unserer Küche sind 29° C!), dass sich Backen nicht anbietet. Stattdessen bereite ich ein kaltes Dessert vor, und stelle es dann noch über Nacht in den Kühlschrank.

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Blumengarten oder Nutzgarten?

Blumengarten oder Nutzgarten

Blumengarten oder Nutzgarten? Selbstversorgung aus dem eigenen Garten war uns in den siebziger und achtziger Jahren ein verlockendes Ziel. Damals ging es um das Vermeiden von Pestiziden in der Nahrung; dass die eignen Früchte auch besser schmecken, habe ich erst im Lauf der Zeit bemerkt. Wir bereiteten uns auf einige Jahre in Afrika vor und lasen einschlägige Bücher. Das Buch über Selbstversorgung von John Seymour war damals ein Klassiker: Er hatte in den britischen Kolonien Erfahrungen gesammelt und dann in England weitergemacht. In Tansania konnten wir unsere Erfahrungen machen.

Noch immer bewundere ich erfolgreiche Gärtner, und verstehe ihren Stolz auf eigene Früchte. Aber wenn ich hier, in meinem kleinen Stadtgarten, Gemüse im frühen Frühling vorgezogen habe, Platz im Garten geopfert, den man auch mit schönen Blumen hätte füllen können, regelmäßig goss und auch düngte, dann werden die Früchte reif, wenn sie im Laden sehr wenig kosten und auch ganz lecker sind. Anders war es in Tansania, wo es vieles nicht zu kaufen gab. Schon deswegen ist es nicht vergleichbar, weil wir je zwei festangestellte Gärtner und Köchinnen hatten.

Jetzt ziehe ich Kürbisse, aus eigenen Kernen. Sie entwickeln sich schön, mit riesigen Blättern und Blüten, die man als Gemüse in Butter wenden kann. Die Kürbisfrüchte, es kommen etwa zwei bis vier aus 4 bis 5 Pflanzen, sind leckere rote Hokkaido. Zur Erntezeit gibt es sie im Reformhaus für weniger als € 2 das Stück zu kaufen, einen Unterschied kann ich nicht schmecken. Gekaufte Zucchini schmecken auch nicht schlechter als die aus eigener Ernte. Sie können auch in unseren Breitengraden sehr groß werden und sollten vorher geerntet werden, etwa wenn sie so groß sind wie kleine Schlangengurken, sonst schmecken sie nicht mehr. Bei ihnen hatte ich zweimal eine Schwemme erlebt, während derer man sich sogar unbeliebt machte, wenn man Freunden und Nachbarn die selbstgezogenen Zucchini mitbrachte. Auch sie aßen schon seit Wochen nur Gerichte mit diesem Gemüse. In anderen Jahren kamen keine.

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Tomaten im Überfluss

Drei Jahre, nachdem ich das Kapitel zu den Tomaten geschrieben hatte, und in dem ich von meinem Traum berichtete, irgendwann mal Tomaten im Überfluss zu haben, ist es so weit! Wir haben zwar noch keine Tomatensuppen gemacht, aber reichlich gegessen und auch verschenkt.

Inzwischen weiß ich auch mehr darüber, was man falsch machen kann. Da sind erst einmal die Sorten: Wir haben überwiegend Harzfeuer und eine Cocktailtomate, beides schon in der DDR bewährte Sorten und sie tragen gut. Dazu eine mit kleinen eiförmigen Früchten und einige geschenkte Ableger, deren Namen wir nicht kennen. Da nun so viele Tomaten verzehrt werden, befinden sich auch in der selbstkompostierten Erde immer wieder ihre Samen, die sich dann selbst aussäen, wo es ihnen gerade passt. Wegen meiner Schwäche für Wildes lasse ich sie immer dann zu, selbst wenn sie meine ehrgeizigen Pflanzenarrangements (ein bisschen) stören. Eine stand im letzten Jahr so gut, dass wir bis zum Dezember Tomaten ernten konnten.

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