Natur und deutsche Geschichte Glaube-Biologie-Macht

ist der Titel einer Ausstellung im Deutschen Historischen Museum an der Lindenstraße. Sie geht bis zum 7. Juni 2026.

Konkrete Erwartungen hatte ich nicht und wurde umso mehr überrascht von der Vielfalt der Aspekte, über das Wissen der Menschen über Jahrhunderte. Wie es gewachsen ist, dass Wissenschaft nie fertig ist, und welche Rollen Glauben und Macht dabei spielen.

Mein Lieblingsobjekt ist der Globus ohne Amerika. Entstanden in der Zeit, als sich Galileo durchgesetzt hatte mit der Erkenntnis, die Erde ist eine Kugel, aber Amerika noch nicht entdeckt worden war.

Maria Sibilla Merian

Die Objekte beginnen vor sechs hundert Jahren mit dem Wissen und Glauben der Hildegard von Bingen. Paracelsus und Maria Sibylla Merian folgen. 

Im Mittelalter gab es einige Jahrhunderte wärmeres Wetter; und alles wurde fruchtbar und mehrte sich.

Am Bodensee gab es eine Almende, Regeln, die sich die Anrainer gaben, um die Fischerei so zu gestalten, dass die Fische sich ausreichend vermehren konnten.

Als dann auch in Deutschland 1815 eine kleine Eiszeit folgte (in Indonesien hatte ein Vulkan so viel Rauch ausgestoßen, dass weltweit die Sonne nicht durchkam) wurde das Essen knapp, ausgestellt werden Minibrötchen, in die, aus Not, Holzwolle eingebacken wurde. In einem Fürstentum sorgte sich die Souverän um die Ernährung der Bevölkerung.

Vor über hundert Jahren entwickelten Fritz Haber und Carl Bosch das Verfahren, mit dem Ammoniak, als Stickstoffdünger in großen Mengen hergestellt werden konnte. In der Ausstellung ist sein Nobelpreis dafür zu sehen. Später entwickelten sie Giftgas, welches, obwohl international geächtet, im ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. In einem Zitat findet er, dass alles gerechtfertigt wäre, wenn es ums Vaterland geht.

Besonders abstruse Vorstellungen von Natur hatte der Glaube der Nazis wegen der Überlegenheit der deutschen Rasse. Dabei ging es um die Weiterentwicklung des Gedankens an Naturschutz. Dazu wusste die „Blut und Bodenideologie“, dass nicht nur der Mensch seine Natur prägte, sondern auch die deutsche Landschaft, den Charakter der Deutschen geformt hätte.  In Polen oder Russland sind „Die Morde und Grausamkeiten der ostischen Völker (sind) messerscharf eingefurcht in die Fratzen ihrer Herkommenslandschaften.“ Und die Autobahnen wurden gebaut, damit viele Menschen ihre schönen Landschaften sehen konnten…

Welche Rolle spielt die Natur für Kinder? Alle Tafeln sind auch in einfacher Sprache, es gibt Angebote für Kita- und große Kinder. Manche Objekte sind um Anfassen, manche strömen den Duft der dargestellten Frucht aus.

Und als die Zeit kam für Kindergärten, verbot der deutsche Kaiser: das sei atheistisch, das Verbot währte aber nur kurz…

Die Romantik entdeckt zu Beginn des neunzehnen Jahrhunderts die Schönheit der Wälder; allerdings eher Poeten, die in Städten lebten, aber sich an ihre Kindheit erinnerten.

In den siebziger Jahren erkannten immer mehr Menschen und manche Politiker, dass die Industrie der Natur schade. Willy Brandt forderte, der Himmel über dem Ruhrgebiet sollte wieder Blau werden.

An die Bewegung gegen die Atomkraft erinnere ich mich noch gut. Für die Kuratoren begann eine neue Ära der Bürgerbeteiligung mit dem Widerstand der Menschen gegen den Bau eines Atomkraftwerks in Wyhl. Immerhin wurde es nicht gebaut. 

Und in der DDR gab es umfassende Pläne für Naturgebiete, von denen es auch manche bis ins wiedervereinte Deutschland schafften.

Einige der Texte und Bilder sind aus dem begleitenden Heft 06 des Deutschen Historischen Museums.

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