Christian Morgenstern: „Ich habe Dir heute ein paar Blumen nicht gepflückt, um Dir ihr Leben zu schenken“

Blütenfreuden Eva LuberDiesen schönen Satz von Christian Morgenstern sollte man einfach so stehen lassen und ihn genießen. Leider gelingt mir dieses stille Genießen nicht immer, denn, wenn ich etwas schenken will, fängt bei mir das Grübeln über die komplexe Frage an: Welche Pflanze schenke ich? Zuerst scheint es einfach, ich sage mir: Wir kaufen einen Blumentopf.

Im Sommer geht das gut. Die angebotenen Zimmerpflanzen halten sich in der ungeheizten Wohnung lange und die Auswahl ist groß. Aber im Winter, wenn die trockene Heizungsluft allen zu schaffen macht, wird es schwieriger: Die schönsten Kamelien, Alpenveilchen und Farne gehen rasch ein.

Eine besonders gute Lösung für Gärtnerinnen sind Gutscheine. Großen Erfolg hatte ich auch schon mit Gutscheinen für Arbeitsstunden meiner Lieblingsgärtnerin, aber häufiger werden es Blumengutscheine. Vielleicht werden sie dann in Schnittblumen eingelöst, aber, zum Glück, werde ich es ja nie erfahren und vor allem werde ich nicht die Schnitterin sein, die den Pflanzen das Leben geraubt hat.

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Rezension: Von Diven, Drängern und Fleissigen Lieschen – Feders Charakterkunde der Pflanzen von Jürgen Feder

Von Diven, Drängern und Fleissigen Lieschen

Um es gleich zu sagen: Mit dem Buch Von Diven, Drängern und Fleissigen Lieschen konnte ich nicht viel anfangen. Deswegen frage ich, wen es wohl interessieren könnte. Es werden weit über hundert Pflanzen vorgestellt, mit Fotos, und es wird über ihr Vorkommen in der Natur berichtet. Wer also die in Deutschland wachsende Flora kennenlernen möchte lernt dazu, es ist kenntnisreich geschrieben. Herr Feder ist viel herumgekommen und hat ein geschultes Auge.

Die wenigsten Pflanzen kannte ich; aber, und das ist das Problem, ich will sie auch gar nicht kennenlernen, weil sie für meinen Garten nicht geeignet sind. Mir sind die meisten nicht schön genug für meinen Ziergarten. Eher störend fand ich die Vorgehensweise der Charakterkunde. Es werden fünfundzwanzig menschliche Typen erdacht, in die die Pflanzen mit einer nicht nachvollziehbaren Willkür zugeordnet werden. Da sind Barhocker, Zwangsneurotiker, Giftzähne, Draufgänger, Techniker und Spießer.

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Alle meine Lilien

Viele Jahre glaubte ich, Lilien (Lilium) zu haben, doch ich hatte nur Schwertlilien (Iris) und Taglilien (Hemerocallis). Inzwischen habe ich Lilien. Sie kamen in einem geschenkten blühenden Topf, und ihre Zwiebeln wurden nach der Blüte im Herbst ausgepflanzt. Dann kaufte ich im Herbst noch mehrere Zwiebeln, und auch diese Lilien kamen alle gut im nächsten Jahr. Sie müssen sehr tief gesteckt werden, mit einer Erdschicht über ihnen, die mindestens so groß ist wie dreimal ihr Durchmesser. Sie haben schön und lange geblüht, mit ihren typischen Lilienblüten. Im folgenden Jahr war nur eine einzige übrig.

Die Blüten bestehen aus mehreren Blättern, die wie ein Kelch angeordnet sind. Geschlossen ähneln sie einer Glocke, aufgeblüht einem Stern. Sie unterscheiden sich nur wenig von den Taglilien, die etwa zur gleichen Zeit, zu Beginn des Hochsommers, blühen, aber eben zu kurz für meinen Geschmack. Mit der Zeit ist mein Anspruch an die Blühfähigkeit meiner Pflanzen gestiegen. Für einen kleinen Stadtgarten, in dem immer etwas blühen soll, waren sie zu lange einfach nur grün. Und die Blüten dauerten wirklich nur einen Tag. Dafür kamen zwar immer wieder welche nach, aber man musste sich richtig ranhalten, die jeweils verblühten abzuschneiden. Eine gelbe Taglilie, Jake Russel, stand neben einer ebenso gelben Lilie. Da konnte man sehen, wie viel länger die Lilie blühte.

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Knospenknall

Gestern ist der Frühling mit Knospenknall ausgebrochen. Die Menschen auf den Straßen sind beschwingt und bewegen sich anmutig, grüßen überschwänglich. Sind die Straßen nicht auch voller geworden? In unserem Garten tummeln sich alle Hausbewohner, jeder begrüßt die neue Zeit auf seine Weise. Die Enkelkinder arbeiten mit Sand, Erde und Steinen und belegen die Treppen mit ihren Produkten. Da das Wasser im Garten noch abgestellt ist, müssen sie mühselig die Treppe hochlaufen, um in der Küche Wasser zu holen. Sie brauchen viel Wasser und gehen oft. Da die Freude so ansteckend ist, werden sie nicht gestört oder ermahnt, keinen Sand oder gar Erde auf der Treppe zu verschmieren oder hereinzutragen.

Das große Mädchen füllt Schalen mit kleinen Vorfrühlingsblühern und bedeckt den Grabstein des vor Jahren verstorbenen Katers damit. Ein toter Vogel wird im selben Grab verbuddelt und bekommt etwas vom Blumenschmuck ab. Die kleine Schwester deckt ein Tischchen mit Untersetzern, auf dem frische Gras-, Blumen- und Laubsalate angeboten werden. Ich bin weiter milde gestimmt und auch etwas stolz, nicht nur weil sie so schön spielen, sondern auch weil wir so viele Blumen haben, dass man den Verlust nicht merkt. Oder liegt es daran, dass sie ganz behutsam nach der Methode der Indianer pflückt? Indianer lassen keine sichtbaren Lücken entstehen, wenn sie der Natur etwas für ihren Bedarf entnehmen.

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Meiner Lieblingsgärtnerin gewidmet

Über die Jahrzehnte lernte ich viele Gartenhilfen kennen. Die meisten waren jung, noch in der Ausbildung oder damit gerade fertig und auf Arbeitssuche. Viele waren Gärtner und/oder Landschaftsplaner, wie unsere Tochter, und jobbten bei uns zum Preis von erst €8, und vor bald zehn Jahren €10. Dies war damals ein sehr guter Preis. Die Begabungen waren so unterschiedlich wie die Kenntnisse, ich übte mich in Geduld und versuchte, sie mit meiner Freude an der Arbeit anzustecken, was immer wieder auch gelang.

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Wann, wenn nicht jetzt, zur Pflanzzeit!

Pflanzzeit

Wir nutzen die Sonnenstunden – jetzt zur Pflanzzeit – im Garten. Da wird, wie im Buch beschrieben, geschnitten (Gärtnern mit Axt und Schere), gedüngt (Düngen und andere Hilfsmittel), und heute habe ich noch gekalkt: alle Obstbäume, den Schneeball und die Lampionblume. Die bestellten Clematis sind gepflanzt, und auch gekalkt, wie es aus dem überarbeiteten Faltblatt von Clematis Westphal hervorgeht. Kann ein Garten überpflegt sein? Dann wäre er es jetzt.

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„Ein anderer Frühling“

„Ein anderer Frühling“, so lautet ein Blogbeitrag im Freudengarten, der davon spricht, dass die Natur über einen Monat ihrer gewohnten Zeit voraus ist. Auch ich habe vor Dauerfrost keine Angst mehr und mache die Arbeiten von Anfang Mai. So wie in Gärtnern im Mai beschrieben: Kompost umsetzen, Düngen, Sträucher und Gräser schneiden, auch die Elfenblumen, weil die neuen Blüten bald kommen. Sogar die Clematis treiben schon und wollen gelenkt werden. Die Winterlinge, Schneeglöckchen und Märzenbecher sind verblüht, die anderen dabei, auszutreiben. Nur die Nieswurz (Helleboris) stehen geduldig aufrecht und blühen weiter. Jetzt ist die Stunde des Lerchensporns und des Schabockskrauts gekommen!

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Rezension: Die Hauptstadtgärtner von Elisabeth Meyer-Renschhausen

Die Hauptstadtgärtner von Elisabeth Meyer-Renschhausen

Die Hauptstadtgärtner von Elisabeth Meyer-Renschhausen: Eine Anleitung zum Urban Gardening. Tipps vom Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld

Der Titel wirkt ganz schön angeberisch bei einem so kleinen Taschenbuch. Ob es sich mit dem Titel besser verkauft? Oder gilt einfach, ganz berlinerisch, „Wer angibt hat mehr vom Leben!“ Denn nicht nur für Berliner ist das Buch lesenswert. Auf seinen knapp 150 Seiten gibt es Tipps, mit vielen Fotos, die auf jedem Balkon, selbst im kleinen Dorf, beim Gärtnern helfen. Denn die Autorin weist gerade auf Dinge hin, die im Verborgenen blühen und fordert auf, sich einzulassen und mitzumachen.

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