Reisen mit Gelierzucker im Gepäck

gelierzucker

Letzte Woche beschrieb ich meinen Stress, unseren Apfelüberfluss zu verarbeiten und berichtete von Harald Martenstein, der sich diesem Stress entzieht, indem er Passivbauer geworden ist.

Heute erzähle ich von den schönen Seiten der Früchteverarbeitung: im Urlaub ist es nämlich ganz anders. Vielleicht liegt der Unterschied darin, dass es dann nicht die eigenen Früchte sind, für man sich irgendwie verantwortlich fühlt, sondern die Anderer.

Als ich noch (viel) arbeitete, wollte ich wenigstens in den Ferien meine hausfraulichen Anteile ausleben. Wir fuhren, nachdem die Kinder nicht mehr mit uns verreisten, immer im September nach Frankreich, wo Pfirsiche, Birnen und Weintrauben reif waren. Ich kam mit Gelierzucker und Gläsern. Das Obst dazu musste man nicht kaufen, es war so wie hier auch, dass die Menschen ihrer Ernteüberschüsse nicht mehr Herr wurden und sich freuten, wenn man ihnen etwas abnahm. Besonders lecker war die Pfirsichmarmelade mit Pfefferminzblättchen.

Einige Jahre sind wir dann in den Urlaub geflogen, sodass sich der Gedanke verbot, mit Gelierzucker zu reisen oder gar mit Marmeladengläsern zurückzukommen. Inzwischen fahren wir wieder Auto (ja, ein bisschen Flugscham ist auch dabei) und ich nahm wieder mein Zuckerpäckchen und auch etliche Gläser mit, als wir nach Triest fuhren.

Bei meinen Berichten von Reisen nach Italien habe ich schon erklärt, warum wir so gute Erfahrungen machen bei Bed and Breakfast Angeboten, wenn die Besitzer einen Garten haben: sie nehmen sich die Zeit und reden gerne über ihre schönen Gärten, was mein Italienisch jedes Jahr etwas flüssiger macht.

Dieses Jahr waren wir in der Umgebung von Triest, der Garten war nicht sehr ambitioniert, aber wir bekamen jeden Tag frische Feigen, manchmal noch sonnenwarm. Mauro, unser Besitzer, hat eine Straße weiter einen Weingarten, in dem auch ein riesiger Feigenbaum reiche Früchte trug. Und wir sahen das Elend der köstlichen Feigen: wenn sie in zwei Tagen nicht verspeist sind, fangen die Ansatzstellen an, zu faulen. Mauro war früher Koch und Konditor und ich durfte, mit seiner Hilfe, in seiner Küche Feigenmarmelade einkochen. Eigentlich kochte er und ich guckte zu. Vielen Dank noch einmal! Das Ergebnis schmeckt immer noch.

Ich habe einige einkocherprobte Freundinnen, die mir Jahr für Jahr ihre Köstlichkeiten anbieten. Endlich kann ich mich revanchieren. Mit unserer Feigenmarmelade ist mir hoffentlich auch das Gläschen im nächsten Jahr sicher …

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