Meiner Lieblingsgärtnerin gewidmet

Über die Jahrzehnte lernte ich viele Gartenhilfen kennen. Die meisten waren jung, noch in der Ausbildung oder damit gerade fertig und auf Arbeitssuche. Viele waren Gärtner und/oder Landschaftsplaner, wie unsere Tochter, und jobbten bei uns zum Preis von erst €8, und vor bald zehn Jahren €10. Dies war damals ein sehr guter Preis. Die Begabungen waren so unterschiedlich wie die Kenntnisse, ich übte mich in Geduld und versuchte, sie mit meiner Freude an der Arbeit anzustecken, was immer wieder auch gelang.

Es war interessant, sie bei der Arbeit kennenzulernen. Zum Beispiel gab es darunter eine junge Frau, die mit einem Hund kam, der einer der intelligentesten Hunde war, die mir je begegneten. Eine andere legte immer kleine Feldsteine begrenzend um die Randbeete, die ja bei mir eher unbetont, wie in der Natur, vom Rasen zu den Stauden übergehen sollten. Da ich sie sehr mochte, habe ich die Steine erst entfernt, als sie nicht mehr bei uns arbeitete, weil sie ihr Baby bekam. Weniger Spaß machte ein junger Mann, der schon mal in einem Gartenbetrieb gejobbt hatte und dort verdorben worden war: Er machte alles schnell, schnell, war grob zu den Pflanzen, und, obwohl ich daneben stand und um Sorgfalt bat, machte er mehrere Plastikuntersetzer kaputt, indem er die schweren Kübel darauf plumpsen ließ. Ich war fassungslos. Dann hatte ich ein Jahr lang ein Architektenpärchen aus Ungarn, die in Berlin einen Master machten, und auf niedliche Weise miteinander solidarisch waren, indem sie unangenehme Tätigkeiten immer zusammen verrichteten, meine Vorschläge, die Arbeit anders einzuteilen, freundlich ignorierend. Sie brachten mich damit immer zum Schmunzeln.

Die eigenen Kinder anzustellen gelang nicht. Ich konnte ihnen den Raum nicht geben, den sie sich gewünscht hatten. Der Garten war zu dieser Zeit noch lange nicht fertig, ich selbst eine unsichere Gärtnerin, auf der Suche nach eigenen Vorstellungen. So gab es immer wieder Kompetenzstreitigkeiten, weil ich sie nicht machen ließ, was sie sich vorgestellt hatten. Inzwischen ist der Sohn Mitgärtner geworden, mit allen Rechten und Pflichten. Anerkennend kann ich zu den Zeiten, als meine Kinder „angestellt“ wurden, sagen, dass sie beide gut zupacken konnten, und: Unsere Tochter ist die Beste von allen in Pflanzenkunde!

Mit den fremden Gartenhilfen waren die Verhältnisse klarer. Leider fanden diejenigen, die richtig gut waren, bald eine besser bezahlte Arbeit, und man musste sich für sie freuen, als sie uns verließen. Es war so wie im Berufsleben auch mit jungen, begabten Mitarbeitern.

Manchmal habe ich mich gefragt, ob es nicht auch ganz gut ohne gehen könnte, trotz meiner Einschränkungen, mit etwas längerem Warten auf meinen Mann oder unseren Sohn. In Gedanken formte sich mein Idealbild von der Person, die meine Gartenhilfe sein könnte, und ich war mir sicher, dass es sie irgendwo auf der Welt, und vielleicht sogar in Berlin, gäbe: Sie sollte meinen Garten mit seinen versteckten Seiten erkennen und den Pflanzen helfen, sich einzubringen. Sie sollte alle Aufgaben nach einem ideellen Plan erledigen und sich nicht von meinen vielen neuen Ideen davon abbringen lassen. Sie sollte Veränderungsvorschläge machen und Verständnis haben, wenn ich diese nicht aufgriff, ein bisschen Wildwuchs zulassen, aber, wenn nötig, auch kräftig ordnend eingreifen, vielleicht noch mehr als ich, denn man sollte die Pflanzen ja so beschneiden, als wären sie nicht die eigenen…

Nun habe ich sie gefunden, inzwischen kennt sie alle Ecken in unserem Garten und macht nach der Winterpause weiter, denn unser Garten gefällt ihr. Sie heißt Dorothea, also Gottesgeschenk, und ich finde ihren Namen passend. Sie entdeckt meine Pflanzen, kennt (fast) alle und weiß auch, warum sie da und nirgendwo anders stehen müssen. Sie macht Veränderungsvorschläge und ist nicht beleidigt, wenn ich sie ablehne. Wenn ich etwas machen möchte und den Spaten ergreife, dann nimmt sie ihn mir auf eine Art aus der Hand, die ich zulassen kann. Ihre besondere Stärke ist es, die Pflanzen geschickt mit unsichtbaren Fäden so zusammenzubinden, dass sie sich besonders gut präsentieren. Dann werden die Fotos gemacht.

Zwischendurch reden wir immer über Gärten in all ihren Aspekten. Manchmal sagt sie ein Gedicht auf. Am besten gefällt mir das auf der nächsten Seite, von Hermann Hesse.

So macht auch die Gartenarbeit immer Spaß und ich hoffe, unsere Beziehung währt noch viele, viele Jahre. Die Voraussetzungen sind günstig: Sie jobbt nicht, sondern ist selbständige Gärtnerin und Gartenbauingenieurin und außerdem deutlich jünger als ich. Nun macht mir das Älterwerden mit meinem Garten noch weniger Sorgen.

Des Gärtners Traum

Was hast du Traumfee in der Wunderbüchse?
Vor allem ein Gebirg von bestem Mist!
Dann einen Weg, auf dem kein Unkraut wüchse,
Ein Katzenpaar, das keinen Vogel frißt.

O Fee, und mache, dass uns Wasser flösse,
In jedem Ort, den wir bepflanzt, besät;
Spinat, der niemals frech in Blühten schösse!
Und einen Schubkarren, der von selber geht.

Ein Pulver auch, mit dem bestäubt alsbald
Blattläuse sich in Rosenflor verwandeln,
Robinien jedoch zu Palmenwald,
Mit dessen Ernte wir gewinnreich handeln.

Und eins noch: ein sicheres Mäusegift.
Den Wetterzauber gegen Hageltücken.
Vom „Stall“ zum Hause einen kleinen Lift,
Und jeden Abend einen neuen Rücken.

(Hermann Hesse*)

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