Eine Sommernacht

Mindestens einmal im Jahr schaffen wir es, eine Sommernacht zu feiern. Die Enkelkinder, als Astrid Lindgren-Fans wünschen es sich zur Mittsommernacht, manchmal wird es so früh schon warm genug. Dann hängen wir die Lampions an die Bäume, die noch von der letzten Hochzeit übrig sind. Angezündet werden sie erst, wenn die Dämmerung in Dunkelheit übergeht.

Mann, Sohn und Enkelsohn glauben, ohne Grillen könne man keine Sommernacht genießen. Obwohl ich der Meinung bin, dass die Entdeckung der Bratpfanne der Menschheit eines der wichtigsten Kulturgüter beschert hat, mache ich mit. Es wird viel Fleisch gekauft. Gäste werden spontan zusammengeladen, bisher kamen immer genügend zum Feiern hinzu. Allerdings essen auch junge Burschen heutzutage nicht mehr so viel Fleisch, so dass wir dann in den nächsten Tagen noch reichlich Reste haben. Aber Gemüse und Brot gibt es ja auch. Das Grillen ist Männersache. Ich habe eigentlich nur zweimal in meinem ganzen Leben weibliche Grillmeister gesehen.

Später im Jahr, wenn es mehrere Tage hinter-einander heiß ist, wird der riesige Pool aufgebaut. Er hat einen Durchmesser von über drei Metern. Ihn aufzublasen, schaffen die beiden Inhalatoren, die wir besitzen, in mehreren Stunden. Seitdem wir ihn haben, sprechen wir von Poolparties. Natürlich wird wieder gegrillt.

Manchmal gibt es auch Aufregendes. Im letzten Sommer haben sich einmal ausgewachsene Eltern, sehr zur Freude der anwesenden Kinder, in den Pool geschubst. Und dann kam, nach mindestens fünf Jahren erstmals wieder, ein Igel. Er wurde, wenn ich im Halbdunkel richtig gesehen habe, von sechs Kameras oder Handys fotografiert. Danach ist er in diesem Jahr nicht wiedergekommen.

Nicht immer bleibt es die ganze Nacht so warm, wie ich es mir wünschen würde. Dann werden Jacken und Decken verteilt. Oft sitzen auch in den Nachbargärten Gruppen zusammen, und immer wieder klingt ein Lachen durch die Nacht. Meist sitzen wir und reden. Mehr und mehr werden die Gespräche von den Jüngeren bestimmt. Ich genieße es und freue mich, dass ich dabei sitzen kann. Am liebsten habe ich es, wenn so wenige gekommen sind, dass es nur ein Tischgespräch gibt, mit nicht mehr als etwa acht Personen. Das hängt wahrscheinlich mit dem Nachlassen meines Gehörs zusammen. Noch höre ich gut genug, aber ich glaube, dereinst, wenn mein Gehör weniger gut die Gespräche unterscheiden können wird, werde ich immer noch gern dabei sitzen, wegen der schönen Stimmung.

Besonders genieße ich es, wenn Musikanten dabei sind und wir singen. Ich wünschte dann meist, mehr Texte zu können. Irgendwann muss es aber leiser werden: Ein Nachbar schläft bei offenem Fenster. Als er morgens noch zur Arbeit musste, hat er sich früher gemeldet, inzwischen ist er milder geworden. Oder ob er auch schon schlechter hört?

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