Gartendenkmäler in Berlin – Besuche mit Führung

Gartendenkmäler in Berlin – Seit einiger Zeit bin ich Mitglied im Verein Denkmal an Berlin, e.V.. Wir werden zu Führungen eingeladen, die selbst für Einheimische Überraschungen bieten. Diesmal ging es zu sechs Gartendenkmälern im Südwesten Berlins, ein Juwel folgte dem anderen. Wir wurden von den Besitzer*innen empfangen, die, kein Zufall, auch Mitglieder*innen im Verein sind. Geführt wurden wir von Herrn Dr. von Krosigk, der von 1978 bis zu seiner Pensionierung die Gartendenkmäler in Berlin gerettet hatte. Sie waren oft noch versteckt gewesen unter hohen Bäumen, die nicht nur die Aussicht versperrten, sondern auch Brunnen oder andere kunstvolle Anlagen versteckt hielten. Durch Herrn v. Krosigks Beratung und Unterstützung waren die Gärten so originalgetreu wie möglich restauriert worden. Es gibt über einhundertfünfzig dieser Gärten in Berlin. Die Hälfte der besuchten Häuser waren von Hermann Muthesius entworfen worden, eines war sogar von ihm bewohnt gewesen.

Ich lernte den Unterschied zwischen Villen und Landhäusern im späten neunzehnten Jahrhundert verstehen: Villen wurden in Gärten gesetzt, die im Landschaftsgartenstil angelegt waren, nach dem englischen Modell, mit geschwungenen Wegen, aber, und das macht den Unterschied aus, diese Wege waren nicht direkt vom Wohnzimmer oder Salon zu betreten. Beim Landhaus ging es darum, einen direkten Zugang zu haben, meist über eine Terrasse. Garten und Haus sollten beim Landhaus eine Einheit bilden.

Dazu gab es strenge Vorgaben: Beete und Rasenflächen waren rechteckig, strenge Trennung zwischen Nutzgarten und Erholungsgarten, Blühpflanzen waren kontingentiert, gerne Rosen und Funkien, in geraden Linien eingepflanzt. Rasenflächen waren, wie beim grünen Fürst v. Pückler der pleasure ground, in den manchmal mittendrin ein Körbchen mit Einjährigen eingeplant war, die nach Saison gewechselt wurden. Wer meinen Garten und mich kennt, ahnt schon, dass ich zunehmend fremdelte. Beim fünften Garten wurde ich richtig froh, dass wir nicht in einem Gartendenkmal leben.

„Wer in meinem Garten schaut, schaut in mein Herz“ diesen Spruch vom Fürst Pückler schoss mir durch den Kopf, als wir von der Bewohnerin durch den von Muthesius geplanten und von Wilhelm Mandler angelegten Garten geführt wurden. Sie war mir sofort sympathisch, und ich hätte so viel lieber in ihr Herz geguckt, als in das von zwei Männern, die schon vor sehr vielen Jahren gestorben waren.

Zum Schluss noch etwas über unser Landhaus, das ja seit einem Vierteljahrhundert auch Denkmal ist: Gebaut von Salvisberg als eines der letzten Projekte 1923/24 im alpenländischen Stil (er kam aus Bern), mit grünen Fensterläden und grün-weiß gestrichenem Dachfirst. Danach baute er im Bauhausstil, zum Beispiel, mit anderen, das Schweizer Viertel in Reinickendorf.

Bei uns war der Zugang zum Garten nur durch die Küche möglich, die im Keller lag. Mein Schwiegervater, der das Haus 1936 erwarb, wollte seine Gäste nicht durch die Küche in den Garten bitten und hat deshalb eine kleine, recht steile Treppe vom Wintergarten im Erdgeschoss in den tiefergelegenen Garten bauen lassen, die auch von uns meist genutzt wurde, um in den Garten zu gelangen.

Als wir selbst fast fünfzig wurden, hat es bei meiner Geburtstagsfeier eine kräftige Husche gegeben. Mein Vater, in den Achtzigern, hatte Mühe, mit dem Sektglas in der Hand die Stiege hochzueilen. So entschlossen wir uns, obwohl wir schon Baudenkmal waren, einen Anbau mit einer weiten und leicht begehbaren Treppe fertigen zu lassen. Der Anbau bescherte uns auch einen großen stählernen Balkon und drunter einen neuen Wintergarten. Wie positiv unsere Erfahrung mit der unteren Denkmalschutzbehörde war, beschrieb ich im Kapitel Gärtnern im Laufe der Zeit. Wir passten unsere Umgebung den veränderten Lebensbedingungen an.

Wir nennen unser draußen gelegenes Wohnzimmer Terrasse, obwohl es auf Stahlstützen schwebt. Und können nun sagen, dass wir in einem Landhaus wohnen, allerdings ohne die von Experten gewünschte Einheit von Haus und Garten. Zum Glück darf ich alle Blumen ausprobieren, die mich anlachen, obwohl das Haus ein Denkmal ist.

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