Wie können Kulturpflanzen geschützt werden?

Wie können Kulturpflanzen geschützt werden? Besuch beim Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, in der Königin-Luise-Straße.

Am 13. Mai wurde eine kleine Gruppe von Herrn Buchhorn, dem technischen Versuchsfeldleiter, durch die ausgedehnten Felder in Dahlem geführt und dabei über laufende Forschungen informiert.

Gleich vorweg: Es war sehr interessant und lohnend. Bei der diesjährigen ‘Langen Nacht der Wissenschaften’ am 2. Juli diesen Jahres, wird es weitere Führungen geben, dann auch in den Laboren. Da wir über zwei Stunden viel standen und wenig liefen, empfehle ich, einen Stuhl mitzubringen, vor allem, falls man mitschreiben möchte, um das Gehörte besser zu erinnern.

Nach einer kurzen Einführung in die über hundert Jahre alte Geschichte der Behörde und ihrer Vorgängereinrichtungen und neuere Entwicklungen nach der Wiedervereinigung hier eine Zusammenfassung: Das JKI wurde nach Julius Kühn benannt, hat den Hauptsitz in Quedlinburg und über ein Dutzend Institute mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten an mehrenden Standorten in Deutschland.

Sie kennen Julius Kühn auch noch nicht? Hier etwas von Wikipedia: Er wurde in Halle/Saale der erste Professor für Landwirtschaftswissenschaft. Sie war für ihn „zwar vorrangig eine angewandte Naturwissenschaft im Sinne einer ‚Physiologie und Biologie der Kulturpflanzen‘, die jedoch auch Fragen der betriebswirtschaftlichen Rentabilität mitzuberücksichtigen hatte. Ein Gegensatz zwischen Wissenschaft und Praxis existierte für ihn nicht. Er vertrat die Auffassung, dass die praktische Erfahrung die Grundlage für die gesamte Landwirtschaftswissenschaft sein müsse. Deshalb forderte er für die Zulassung zum Landwirtschaftsstudium von jedem Bewerber den Nachweis einer mehrjährigen praktischen Lehrzeit.“

Der Standort bleibt mit seinen 12 Hektar im hochpreisigen Dahlem und wird ausgebaut werden, da die Gefahren für Kulturpflanzen zunehmen werden.

Auf dem Weg zu den Versuchsfeldern gab es einige Zierpflanzen zu sehen: Das Ausschmücken der Halle des BMEL auf der Grünen Woche ist auch eine der Aufgaben der Einrichtung. Und beim Pförtner konnte man manches käuflich erwerben, etwa stattliche Geranien für 5 €.

Wir sahen Sommergerste (noch klein), Wintergerste, die bald geerntet werden kann, und viel Weizen. Seit einigen Jahren ist Weizen von Gelbrost befallen, die angegriffene Pflanze kann dazu später zusätzlich mit Schwarzrost infiziert werden. Die Versuchsfelder hatten hunderte Parzellen, die jeweils einen Quadratmeter groß und mit anderen Sorten Weizen bepflanzt waren. Jede Sorte bekam eine andere Behandlung, alles sorgfältig beschriftet.

Etwa ein Viertel der Fläche wird ökologisch bewirtschaftet, sie liegt im westlichen Teil, wegen der Windrichtung. So können keine der auf den Flächen eingesetzten chemischen Substanzen angeweht werden. Es gibt auch Felder, an denen Blühstreifen angelegt wurden; Klee und Rainfarn scheinen über Jahre stärker zu wachsen als anderes.

Ich staunte, in welchem Maße die Landwirtschaft vermessen und verrechnet ist. Auch die Arbeit des Instituts wird regelmäßig zertifiziert, von einem auswärtigen Betrieb. Jeder Landwirt misst die Beschaffenheit seines Bodens, etwa den Gehalt der Nitrate und gibt dann nur die erforderliche Düngermenge. Früher hätte man nach dem Prinzip „viel hilft viel“ gehandelt, etwa in Frankreich wurde Kupfer verteilt, sodass „manche Erden schon verhüttet werden könnten.“

Die Bedeutung des Forschungsinstituts hat in den Jahren der Klimakrise zugenommen, und wird durch den Krieg in der Ukraine weiter wachsen. Firmen, die Pflanzenschutzmittel produzieren, forschten weniger, entwickelten weniger neue Stoffe, da sie ein „Aus“ befürchteten, wenn durch ihre Produkte die Artenvielfalt weiter beeinträchtigt würde. Es werden auch Sporen selbst gezüchtet, um ihre Auswirkungen verfolgen zu können.

Herr Buchhorn war offen für unsere Fragen. Ich habe endlich verstanden, warum meine Tomaten im letzten Jahr Braunfäule hatten: Die Blätter waren zu lange nass gewesen. Er empfahl eine diesem Thema gewidmete Website und ich erfuhr mehr über die Gefährlichkeit der Braunfäule: „Gartenwerkzeuge, die mit den Tomatenpflanzen in Berührung sind, sollten regelmäßig desinfiziert werden. Hitze, sprich kochendes Wasser oder Feuer, reicht aus. Die Pflanze kann gestärkt werden, wenn Brühe aus Ackerschachtelhalm oder Brennnessel auf Pflanze und Boden gebracht wird. Weiterhin kann Magermilch die Pflanze beim Bekämpfen des Pilzes unterstützen. Einfach dünn auf die Pflanze sprühen. Ein besonderes Augenmerk sollte darauf ruhen, dass die Pflanze möglichst trocken gehalten wird, um eine Ausbreitung zu verringern. Haben Tomatenpflanzen den Befall überstanden und konnten sich Früchte aus gesunden Trieben bilden und ausreifen, können diese bedenkenlos geerntet werden. Sie sind essbar. Gelingt es also, den Pilz im Zaum zu behalten, ist durchaus noch eine ordentliche Ernte möglich. Viele Gärtner nehmen die unreifen Beeren ab, sobald sich die Erkrankung zeigt, um sie zu retten. Jene reifen auch problemlos nach.“

Eine lebhafte Diskussion ging um die Frage, ob Nahrungsmittel zunehmend zu Energie verarbeitet werden sollten, in Mecklenburg-Vorpommern sei aufgrund der Nachfrage von Energieversorgern der Pachtpreis für Böden so hoch, dass es für Bauern nicht mehr rentabel ist, Kulturpflanzen als Nahrungsmittel anzubauen.

Angesichts zukünftiger Schäden an Kulturpflanzen kann ich mir gut vorstellen, noch einmal eine solche Führung mitzumachen. Freundlicherweise wäre Herr Buchhorn, auf Nachfrage, dazu bereit.

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