Was Humboldt wohl dazu sagen würde? 

Humboldt Forum

Beim Humboldt Forum fremdle ich immer noch, es fing schon an bei der Idee, ein Barockschloss nachzubauen. Und auch der Besuch im völkerkundlichen Museumsteil zu Afrika ließ Wünsche offen.

Umso mehr freute ich mich über die Kritik von Dieter Kosslick, die ich in meiner Rezension des Buches über die 50 besten Gärten Berlins aufgriff: Wie viel schöne Gärten hätte man für die Milliarde Euro bauen können, statt „einem monumentalen post barocken Betonklotz mit einer 200 m langen, nachgemachten Preussen-Fassade.“

Bei einer Führung, organisiert von der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur, die Anfang September stattfand, ging es nun um die kleinen, aber feinen, Vorgärten des Schlosses an der Allee Unter den Linden.

In der Einladung heißt es: “Die Garten- und Landschaftsarchitekten Frau Dreybrodt und Herr Herrmann vom Büro bbz, Sieger des Wettbewerbes „Freiräume rund um das Humboldt Forum“, stellen uns ihr Projekt vor. Die Reisen, die Humboldt unternahm, waren die Grundlage für die faszinierenden Vegetationsbilder.“

Grundlage sind Tausende Dokumente, Zeichnungen, Objekte, die Humboldt von seinen ausgedehnten Reisen zurückbrachte. Vieles ist immer noch nicht ausgewertet. Für die Gestaltung der Gärten konzentrierten die Planer sich auf drei Gegenden: Die Taiga, Nord- und Südamerika. Leider hatte es bis zum Zeitpunkt unseres Besuches Lieferschwierigkeiten bei den geplanten Messingschildchen gegeben, die das erklären werden, was uns mündlich berichtet wurde.

Treffpunkt war die kleine Gruppe japanischer Schnürbäume, die zurzeit gerne gepflanzt werden, da sie der Klimakrise besser gewachsen wären. Dazu Fotos, die ich zwei Tage später in Kassel am Karlsplatz machen konnte:

Die Führung begann mit den vielen Vorgaben, die den Planern gemacht worden waren. Man konnte die Schwierigkeiten nachvollziehen, wenn Denkmalschützer entscheiden, welche der damaligen Epochen nun heute prägend für uns sein sollen. Als das Schloss gebaut wurde, befand sich davor der Lustpark. Er musste dann nach und nach immer weiter zurückweichen und Platz für die Paraden der Armee machen. Mir wurde klarer, warum ich mich inzwischen bei einem Gang Unter den Linden so fremd wie eine Westberlinerin zu DDR-Zeiten fühle, aber anderes; es ist nun so ganz wilhelminisch geworden, so war mein Berlin nie.

Wir gingen an der Spree entlang zur Rückseite des Schlosses, hier war kein Grün vorgesehen. Wir bewunderten das historische Kopfsteinpflaster und erfuhren, dass es aus Skandinavien geliefert worden war: Schiffe, die Güter dorthin gebracht hatten, mussten auf dem Rückweg auch beladen sein, und so kamen Granitsteine nach Berlin.

Am Schluss gingen wir zu den Gärten: „Mit breiten Granitmauern gefasst, bieten die Terrassen einen herausgehobenen grünen Aufenthaltsort. Dort entsteht ein Pflanzbild, das das Forschen Alexander von Humboldts in Form von sich wiederholenden Vegetationstableaus erfahrbar werden lässt.“

In Südamerika gibt es prächtige Magnolien und Catalba, die aber, so die Vorgaben, nie höher werden dürfen, als die Fenster im Schloss. Die Taiga bekam Ermanibirken, die jedoch schlecht angingen und ersetzt werden sollen. Überhaupt scheinen Birken Klimawandelverlierer zu werden.

Mir gefiel es am besten in Nordamerika, schon weil da zwei Sorten Fuchsien magellan waren, die ich auch für meinen Garten suche (Siehe Fuchsienblog!)

Zum Schluss, als wir uns bei den beiden für die Führung bedankten, fragte noch eine Frau, was die Planer wohl anders gemacht hätten, wenn die Vorgaben nicht so präzise gewesen wären. Etwas zögerlich kam: Mehr Grün hätte man eingeplant. Damit waren wir Gartenfreundinnen einverstanden.

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