heißt ein Angebot im Programm der Volkshochschule City West:
„Auf einem Spaziergang durch den Kiez lernen Sie, die Baumarten zu erkennen, ihre Vitalität einzuschätzen und den Einfluss von Stadtleben und Klimawandel besser zu verstehen.“
Nach der Begeisterung über die Verabschiedung des Klimaanpassungsgesetzes im November letzten Jahres wird die Komplexität des Vorhabens deutlich: Es scheint leichter hunderttausende Straßenbäume zu pflanzen, als sie über die Jahre groß zu pflegen. Und manche der zuständigen zwölf Berliner SGAs (Straßen und Grünflächenämter) vermitteln noch nicht die Zuversicht, dass dies gelingen würde.
Der gut 2-stündige Spaziergang wurde konzipiert und durchgeführt von Herrn Alexander Werkmeister, einem ausgebildeten Baumschuler und Landschaftsplaner. Der Karl-August Kiez wurde gewählt, weil er in Zone liegt, die besonders zugemauert und arm an Grünem ist, also ein hohes Risiko für Hitzetote bedeutet.
Zehn Punkte stehen in seiner „Themenauswahl“, die verteilt wurde, über die Geschichte und zum aktuellem Zustand der Bäume, wurden die Teilnehmerinnen auch diskursiv beteiligt. Ich nahm am ersten Termin, den 17.4., teil, er findet wöchentlich bis Ende Juni 2026 statt.
Neben Grundsächlichem, wie dem Unterschied zwischen Straßen- und Stadtbäumen (das sind die in den Grünanlagen) war ein Thema die unterschiedlichen Schnittarten: die Stadtbäume, etwa die auf dem Karl-August Platz, wo die Führung beginnt, können sich freier entfalten, während Straßenbäume für den Fluss des Straßenverkehrs stark gestutzt gehören, und für die Seiten, die an Häuser grenzen, gibt es auch den weniger stufenförmigen Fassadenschnitt.

Welche Bäume werden für Neupflanzungen gewählt? Eine rote Kastanie war zu sehen, warum gerade sie, konnte die Gruppe begrübeln, vielleicht der Lieblingsbaum des Amtleiters???
Es gibt eine Liste der Berliner Straßenbäume, neben dem Namen ist der Pflanzzeitpunkt vermerkt. Die ältesten am Karl-August-Platz sind kurz nach dem 2. Weltkrieg gepflanzt worden. Und in der Leibnizstraße sahen wir den allerältesten der Bäume im Kiez: eine sibirische Ulme von 1919!
Inzwischen neigt man in den SGAs eher dazu, klimaresistentere Arten zu wählen. Eine Gruppe hat mit dem Bund deutscher Baumschulen eine Broschüre erstellt, die Sie sich ‚runterladen, bzw. gegen Entgelt zuschicken lassen können. Sie stellt insgesamt 65 neue und bewährte Arten und Sorten aus der GALK-Straßenbaumliste vor.
Früher galt in Berlin das Prinzip der Einheitlichkeit, bestes Beispiel: Unter den Linden. Inzwischen wird geraten, eher andere Arten nachzupflanzen. (Wussten Sie, dass die Linden nach zwei bis drei Jahrzehnten ausgetauscht werden müssen, da sie sich als Straßenbäumen nicht eignen? Das Projekt BaumEntscheid bietet dazu am Tag der Stadtnatur Ende Mai Führungen an!)

Neu waren für mich die Gleditschien oder Lederhülsenbäume in der Pestalozzistraße. Sie kommen meist aus Amerika und tragen Hülsenfrüchte die auch essbar wären. Besonders ihre Spitzen, die nicht nur an Stamm und Krone, auch an jungen Trieben zu sehen sind.
Die Führung begann mit einer Vorbesprechung in der Dorfwerkstatt der Stadtkoordination Karl-August-Kiez, wo eine Ausstellung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zu sehen ist. Ich war beeindruckt von den vielen Initiativen:
Ein Projekt Grüne Höfe-Beratung und Förderung in Charlottenburg-Wilmersdorf kann auch einen Zuschuss von bis zu € 5000 vermitteln. Das wäre in diesem Kiez ohne öffentliche Grünanlagen besonders wichtig.
Das CityLAB ermuntert berlinweit zu: Gieß den Kiez! Oder auf Englisch: Grab your watering cans, get set, go!
Und wenn Sie Bäume erkennen wollen, gibt es diesen QR code:

