Früher hatte ich meine Gartenreisen sorgfältig geplant: Artikel oder sogar Bücher über den Garten gelesen und dann die Höhepunkte gefunden und genossen, und natürlich fotografiert, oder meinen Mann darum gebeten, der macht schönere Fotos als ich.
Diesmal war es anders: Wir hatten in Mittelfranken am Hesselberg übernachtet (und als Hotelgäste Kommunionsfeiern mit Akkordeonmusik miterlebt). Waren also in Ferienstimmung, das nächste Ziel war so nah, dass wir Zeit hatten, in der Umgebung etwas zu besuchen; am Montag war der Limespark zu, also blieb der Schlosspark Dennenlohe. Eigentlich meide ich Schlossparks, weil fast alle zu viel die Symmetrie pflegen und zu wenig den Blick aus Drumherum.
Und dann kam die Entdeckung: Im Schlosspark Dennenlohe waren wir ohne Hinweise und nach automatischen Kassen meist allein. Wege waren nur auf einer großen Tafel kurz hinter dem Eingang zu erkennen. Einfach viel Gegend. Und wir stromerten durch die Weite, erst zum Hortensienweg, die noch nicht blühten, nur einige Christrosen. Wir wurden zu Entdeckern!
Am Wasser war eine dekorative Brücke, dann gingen es am Wasser lang, durch eine große Theaterbühne, die voll begrast war. Mal begleiteten uns Pferde, die frei herumliefen. In den zwei Stunden gab es, es war ein Montag, nur dreimal andere Gäste mit ihren (angeleinten!) Hunden.


Nach und nach lasen wir im Netz die Geschichte: Im 18.Jahrhundert wurde das jetzige Schloss erbaut, es wird seit über hundert Jahren bewohnt von Familie von Süsslieb.
Seit 1990 ist der Park mit seinen 26 ha ein botanischer Garten, der größte Rhododendrongarten in Süddeutschland. Jetzt, Mitte Mai, sind die Rhododendrontage.
Skulpturen und Säulen sind über die Jahrhunderte von den jeweiligen Besitzern aufgestellt worden. Schön wird der Rosenhang bald sein: im April waren sie nur gepflegt zurückgeschnitten und es blühten Pulsatilla.
Und beim Lesen wurden wir aufmerksam auf Lucie von Pückler, deren 250. Geburtstag sie in diesem Jahr aus dem Schatten ihres Mannes treten lässt: Diesen Garten bekam Lucie von Pappenheim Anfang des 19. Jahrhunderts bei ihrer Scheidung von von Pappenheim, damals etwa so viel wert wie jetzt 4,5 Millionen Euro wären.
Später heiratete sie Hermann Graf von Pückler, wurde dann mit ihm zur Fürstin geadelt, und trennte sich danach von ihm, da er nicht mit Geld umgehen konnte. Er sollte in England eine gute Partie machen, was aber nicht gelang. Ihr Erbe (sie war eine v. Hardenberg) und auch das Geld vom Verkauf von Dennenlohe war verprasst worden, auch um Schloss und Park in Muskau zu gestalten. Sympathisch machte das Alles sie mir nicht.
Auch die Pücklerschen Planungen haben mir nicht gefallen, vor allem die Pleasure Grounds erscheinen mir so unnatürlich aufgesetzt. Als ich viel über Peter Josef Lenné las, Rezension: Peter Joseph Lenné: Eine Biographie von Heinz Ohff, dazu den Pückler als Konkurrenz wahrnahm, war ich froh, dass es, wo man auch hinkommt, so viele Lenné Parks gibt. Auf Gartenreisen begegnet mir (fast) immer ein Lenné Park.
In Dennenlohe grübelte ich, warum Lucie diesen schönen Park, der ja, für mich zum Glück, keine Pleasure Grounds hat, gegen Muskau eingetauscht hatte; sie muss ihren Herrmann schon sehr geliebt haben.
Und nach der Rückkehr sehe ich, dass Frau Dagmar von Gersdorff, deren Biografien ich gerne lese, eine über Lucie verfasst hat: dazu hatte ihr die Pückler-Stiftung 15 Kästen mit Briefen der Familie zur Verfügung gestellt, die sie geradezu „fanatisch“ gelesen hatte, wie sie bei einer Vorstellung des Buches berichtete.
Und in Schloss und Schlosspark Branitz gibt es zwei Ausstellungen zu Ehren Lucies: „FrauenReichBranitz“
