Zum Lob der Einjährigen

Seit zwei Wochen ernten wir täglich köstliche Gutedeltrauben. Das nächste Mal schreibe ich über die Weinlese an der Wilmersdorfer Südostwand, wie versprochen. Heute will ich, solange wie die Stimmung sommerlich ist, doch lieber etwas über Blumen schreiben, über neue Erfahrungen mit Einjährigen.

Im Mai besuchten wir die Keimzelle Vichel, um Eve Bubenik zu interviewen. Sie produziert samenfeste Samen. Natürlich kauften wir Einiges, zum Probieren.

Bewährt hat sich der Feldsalat, aber der Renner des Jahres ist ein Neuling, die Tithonia rotundifolia, als Mexikanische Sonnenblume bezeichnet, erinnert sie eher an eine Riesentagetes. Unsere blüht seit Juli, die größte ist über zwei Meter hoch. Nicht nur wir sind begeistert, meine Gartennachbarin hat schon für das nächste Jahr einige Pflänzchen bestellt. Die Samen sind nicht, wie bei einer Sonnenblume, Kerne, sondern Teile des Blütenzentrum, etwa wie bei Cosmeen.

Sie steht mit ihren orangenen Blüten neben den vielen Gelbblühern, die nun im Spätsommer und Herbst ihren Auftritt haben: Rudbeckia fulgida und nitida als Stauden und die Einjährigen Rudbeckia hirta und riloba, dazu ein Helenium und eine Staudensonnenblume. Aus dem Buch kommt dazu das Kapitel über die Farbe Gelb.

Die Trichterwinde hat sich sehr vermehrt und inzwischen an so vielen Stellen hingesetzt. Manchmal grüßt sie von oben, weil sie an Wänden hochgeklettert ist. Leider öffnet sie sich früh am Morgen, um sich gegen Mittag wieder zu schließen. Eine Blume wie geschaffen für Frühaufsteher! Dann kauften wir bei der Keimzelle noch rot-weiß gestreifte Schmuckkörbchen (Cosmeen), allerdings gefallen mir „meine“ alten Samen von weißen und dunkelroten Blüten doch besser.

Im Buch berichte ich von meiner Vorliebe für Balsaminen. Über die Jahre hatte ich meine Samensammlung verloren, es war nur noch die lachsrosafarbene übrig. Wenn ich versuchte, neue zu kaufen, gab es nur gemischtfarbige Samen, das entsprach nicht meinem Anspruch an Farbzusammenstellungen und es blieb einige Jahre eben bei den Lachsrosanen.

Im letzten September entdeckte ich im Schlosspark zu Babelsberg eine große Farbauswahl dieser kleinen Schönheiten, leider waren die Samen noch nicht reif genug. Heute waren wir wieder da, sogar einige Wochen früher als im letzten Jahr, aber der heiße Sommer hat es geschafft, dass viele kleine Samenbällchen schon reif sind.

Die Balsamine ist wie Springkraut, wenn man an das reife Bällchen fasst, springt es auf und verteilt die Samen in der Umgebung. Mit meiner Samenernte bin ich sehr zufrieden und werde sie im nächsten Jahr wieder einsetzen: Ab März wird im Wintergarten gesät und dann, nach den Eisheiligen, kommen sie in den Garten.

Auf dem Bild ist die blaue Trichterwinde sowie die pinke Zinnie zu sehen.

Außerdem ist es jetzt Zeit für das Aussäen von Zweijährigen. Beispiele sind Stockrosen, Akeleien, Fingerhut, Bartnelken. Ich habe mir in den letzten Wochen von schönen Stockrosen Samen mitgenommen, sie eine Nacht in den Gefrierschrank gelegt, da es normal wäre, dass sie einen Winter auf der Erde verbringen und dadurch ihre Schale angeknackt wird; habe ich mal gelesen und geglaubt und dann ausgesät. Die Pflänzchen werden, wenn sie groß genug sind, an ihren zukünftigen Standort gesetzt, damit sie vorm Winter gut Wurzeln bilden. Das nächste Jahr wird dann schon ihr zweites Jahr sein und sie belohnen uns mit ihren Blüten.

Und dann haben wir reichlich Tulpenzwiebeln gekauft. Die nächsten Wochen werden arbeitsintensiv, die Trägheit des Sommers muss irgendwann ein Ende haben. Dazu passen die Kapitel Gärten machen Arbeit und meiner liebsten Gärtnerin gewidmet.

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