Von guten und schlechten Böden

Von guten und schlechten Böden
Ich erzähle heute von guten und schlechten Böden: Jedes Frühjahr wird der Komposthaufen umgesetzt. Meine Lieblingsgärtnerin Doro redet dann immer von schwarzem Gold und schnuppert genüsslich daran. Sie mag auch den Gartenautor Capek, der „O Gott, was für ein Humus!“ als höchstes Lob beim Betreten eines Gartens ruft.

In diesem Jahr habe ich mich mehr mit Böden auseinandergesetzt, theoretisch, weil die Biodiversität in deutschen Böden als Folge der industriellen Landwirtschaft schwindet und praktisch, weil es bei uns zu Erdbewegungen kam: Die Straßenseite unseres Hauses wurde gegen Feuchtigkeit abgedichtet, dazu musste die Wand freigelegt sein. Der Bauunternehmer hat uns danach die Grube mit hellgelbem märkischen Buddelsand aufgefüllt. Zu unserem Entsetzen, und wir baten ihn, den Sand bis in ca. 60 cm Tiefe wieder zu entfernen. Dann riet Doro dazu, „guten Boden“, also überwiegend unseren eigenen Kompost sofort einzufügen, Wochen bevor neu bepflanzt wurde. So könnten sich die Lebewesen, die Erde zu Pflanzerde machen, etablieren.

Sie hatte in den neunziger Jahren bei K.I.S. (Kompost in der Stadt), einem Projekt der TU Berlin gearbeitet. Als die Biotonnen eingeführt wurden, informierte man Gartenbesitzer, wie sie die Bioabfälle besser selbst nutzen konnten. Obwohl wir schon immer, wie selbstverständlich, kompostieren, können wir von Doros Wissen profitieren. Bei der Rezension vom Hauptstadtgärtner gefiel mir besonders der Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Gruppendynamik und gelungenem Kompost …

Im Spätsommer lernten wir in der Essbaren Stadt in Waldkirch weitere Möglichkeiten zur Bodenverbesserung kennen. Hier arbeitet man mit Terra Petra. Wir wurden von Frau Hollunder über diesen Schwerpunkt des Jahres aufgeklärt: Der Garten existiert seit Jahren, wegen der vielen Starkzehrer, vor allem der Tomaten, ist die Erde müde geworden.

Nun werden Bioabfälle, auch kleine Teile, wie Stöckchen, mit dieser Technik behandelt. Die Biomasse durchläuft unter Zusatz von bis zu 20% Pflanzenkohle unter Luftabschluss eine Milchsäurefermentierung (anaerobe Phase) und wird nach Abschluss dieser Phase im Boden oder im Kompost gut belüftet (aerobe Phase) reift nach und wird zu Pflanzenkohle-Kompost. Der Begriff „Terra Preta“ kommt aus dem Portugiesischen und bezeichnet die „Schwarze Erde“ Amazoniens, die u.a. mit Pflanzenkohle zu dauerfruchtbaren bis zu 2 m mächtigen Schwarzerde‐Böden über einen sehr langen Zeitraum durch intensive Gartenkultur entstanden sind. (Aus einer Veröffentlichung von BUND). Nachdem ich mir mehrere Filme dazu im Netz anschaute, beschloss ich, dass es mehr für Menschen ist, die Nutzgärten haben, und vielleicht auch jünger sind. Für die lohnt es sich bestimmt!

Es scheint, dass an vielen Orten in Deutschland viel Energie aufgebracht wird, um in kleinen Bereichen, die Erde zu bessere, weil (fast) alle wissen, dass die industrielle Landwirtschaft die Lebewesen in der Erde zerstört. Inzwischen gibt es schon Projekte, an denen sich auch Bauernverbände beteiligen.

Im Oktober 2020 hat die EU die GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) verabschiedet, die Landwirtschaftsministerin Klöckner schwärmt von „einem Meilenstein für einen Systemwechsel in der europäischen Agrar- und Ernährungspolitik.“ Es gibt Landwirten die Möglichkeit, einen kleinen Teil, mindestens 20%, aber vielleicht auch mehr, für Ökologisches auszugeben. Nichts zum Schwärmen, aber ein Schrittchen in die richtige Richtung.

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