
Wenn die Stauden im Frühling durch die Erde kommen, erscheinen sie mir immer wie kleine Wunder: Nach monatelangem Winterschlaf melden sie sich zurück, auch der Staudengarten im lichten Schatten. In den ersten Jahren, in denen ich sie noch nicht so gut kannte, kam noch die Überraschung dazu, wer sich da wohl zeigen möchte und wann sie blühen würden. Im Frühling zum Beispiel das Lungenkraut (Pulmonaria), dann Pfingstrosen (Päonia) und die Tränenden Herzen (Dicentra), im Sommer die Sterndolde (Astrantia), Schafgarbe (Achillea), Flammenblumen (Phloxe), Rudbeckien, Glockenblumen (Campanulae) und Fetthenne (Sedum) und im Herbst die Gräser, Eisenhut (Aconitum), Chrysanthemen und Astern.
Da wir kaum hohe Bäume in unseren Gärten haben, liegen die meisten Beete im lichten Schatten. Den Schatten werfen die Häuser, unseres eingeschlossen, die Obstbäume und die hohen Sträucher. Die Sonnenflächen überwiegen zwar, aber sie sind dem Rasen, als Bereich zum Sonnen oder Spielen, vorbehalten. Und damit sind die Sonnenplätze schon fast aufgeteilt. Denn die Rosen sind als Königinnen immer in der Sonne, die Lilien und die Ein- und Zweijährigen oder geschenkte oder gekaufte Neuheiten, eigentlich müsste es mehr Sonnenplätzchen geben!
Es geht also darum, zu sehen, wer mehr Schatten verträgt. In diesem Spiel gibt es Regeln, die sich rasch ändern: Wie kann ich vorhersehen, wie der Strauch oder der Baum über der Pflanze sich entwickelt? Vielleicht so sehr, dass er abgeschnitten werden muss und dann plötzlich ein überstrahlter Sonnenplatz entstanden ist? Also kürze ich einige der Schattenspender, oder, leider immer wieder notwendig, ich pflanze um.
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Die ersten Schneeglöckchen blühen und auch die Winterlinge blühen auf. Selbst der Elfenkrokus im Rasen zeigt sich. Aber König bleibt der Winterjasmin. Meiner ist sehr wüchsig und lässt sich gut vermehren: Er bildet ganz ohne Zutun Absenker, wo immer Zweige auf der Erde liegen. Wenn wir ihn im Frühsommer etwas zurückschneiden, werden auch die abgeschnittenen Teile bewurzelt, nachdem sie etwa zwei Wochen im Wasser stehen. Einige unserer Nachbarn haben meine Ableger inzwischen auch in den Vorgärten und es ist mir immer eine Freude, im Winter an den gelben Wölkchen vorbeizugehen.





Nachdem ich den Bericht über blühende Kamelien in Galizien gelesen hatte (DIE ZEIT 08/13), begann ich mit dem Planen einer Reise für die Monate Februar oder März, wenn die Blüten ihren Höhepunkt erreicht haben. Wir Rentner schafften es im folgenden Jahr. Kurze Internetrecherchen ergaben, dass es keine für uns geeigneten Reisen von Veranstaltern gibt. Nicht, dass wir lieber eine solche Reise gebucht hätten, wir sind überzeugte und inzwischen erprobte Individualreisende. Die Kataloge für Gartenreisen lasse ich mir seit vielen Jahren schicken und besuche Gärten, die mir darin interessant erscheinen, auf eigene Faust. Dabei entgehen uns vielleicht die Einladungen in Privatgärten, zur Teatime mit selbstgebackenen Scones. Bisher reichten mir die öffentlich zugänglichen Gärten für mein Gartenreiseglück.