Zum Lob der Einjährigen

Seit zwei Wochen ernten wir täglich köstliche Gutedeltrauben. Das nächste Mal schreibe ich über die Weinlese an der Wilmersdorfer Südostwand, wie versprochen. Heute will ich, solange wie die Stimmung sommerlich ist, doch lieber etwas über Blumen schreiben, über neue Erfahrungen mit Einjährigen.

Im Mai besuchten wir die Keimzelle Vichel, um Eve Bubenik zu interviewen. Sie produziert samenfeste Samen. Natürlich kauften wir Einiges, zum Probieren.

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Gärten machen Arbeit

Gärten machen ArbeitGärten machen Arbeit, das ist bekannt. Und dass Gartenarbeit Spaß macht, auch. Aber nicht jede Gartenarbeit macht gleich viel Spaß, und obwohl die Menschen und ihre Vorlieben unterschiedlich sind, gibt es Gartenarbeiten, die niemand wirklich gern macht, bei uns sind das Unkrautausstechen und Kompostumsetzen. Wenn der Rasen riesig ist, wird das Vertikutieren eine Qual, und manchmal sogar das Rasenmähen. Man will ja nicht immer arbeiten, einfach nur im Garten sitzen, oder liegen, ist auch schön.

Bei uns kommt hinzu: das Alter fordert seinen Tribut. Ich sehe meinen Mann nicht gern auf der Leiter, wenn er die eingegangene Clematis aus der Kletterrose entwirrt. Die jüngeren Familienmitglieder sind mit ihren Kindern und dem Berufsleben so ausgefüllt, dass sie die Gartenzeit mehr als wir zur Freizeitgestaltung brauchen. Das heißt, dass sie gerne sitzen oder vielleicht mal eine gemütliche Arbeit machen, im Stehen oder Gehen, was ihnen gerade Spaß macht. Auf Knien Unkraut stechen ist leider nicht dabei.

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Die Farbe Gelb

bluetenfreuden-luber-farbe-gelb-3Die Winterlinge in der Farbe Gelb sieht man im Vorfrühling viel besser als die Schneeglöckchen. Wir sitzen ja noch im geheizten Zimmer und gucken heraus. Sie bilden bei uns große gelbe Teppiche, die mit ihren breiten hellgrünen Halskrausen wie sommerliche Butterblumenwiesen aussehen. Schon einige Wochen vorher gab es die Zaubernuss mit ihren zarten gelben Würmchen zu sehen. Danach kommen Krokusse und wie kleine Trompeten die Narzissen, und irgendwann die Forsythien und Tulpen. Gelb ist die Farbe, die den Frühling einläutet.

Im tiefsten Schatten blüht die Waldsteinie. An den Beeträndern lasse ich Löwenzahn zu, von weitem nicht zu unterscheiden vom Gemswurz, dem Doronicum. Während sie als Staude nicht immer gut über den Winter kommt, leuchtet der Löwenzahn ohne mein Zutun üppig an allen Beeträndern. Die Enkelkinder sind aus dem Alter des Pusteblume-Pustens heraus, und trotzdem werden sie nicht weniger. Dazu wieder ein Spruch von Karl Foerster. Er wurde gefragt, was er gegen Löwenzahn im Rasen mache. „Lernt den Löwenzahn lieben“ war seine Antwort. (Ein Garten der Erinnerung). Mir gelingt das inzwischen besser als meinem Mann, der sie lieber beseitigen möchte. Ich denke mir einfach, dass sie Gemswurze sind, aus der Ferne sehen sie ja genauso aus.

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Sommerschnitt für die Beerensträucher

Vor dem Sommerschnitt für die Beerensträucher wurde abgeerntet: Rote, weiße und schwarze Johannisbeeren, kleine Walderdbeeren an den Beeträndern und Himbeeren. Die letzteren bekommen keinen Schnitt, weil sie bis in den November tragen, sie heißen autumn bliss. Allerdings sind sie im Herbst nicht so aromatisch wie jetzt.

Einiges davon konnte ich einfrieren, nur die paar Stachelbeeren wurden gleich aufgefuttert. Seitdem gibt es aus dem Garten nur noch Brombeeren und Heidelbeeren zu ernten, bis dann im Oktober wieder die Himbeeren kommen. Dieser Sommer ist so heiß (in unserer Küche sind 29° C!), dass sich Backen nicht anbietet. Stattdessen bereite ich ein kaltes Dessert vor, und stelle es dann noch über Nacht in den Kühlschrank.

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Blumengarten oder Nutzgarten?

Blumengarten oder Nutzgarten

Blumengarten oder Nutzgarten? Selbstversorgung aus dem eigenen Garten war uns in den siebziger und achtziger Jahren ein verlockendes Ziel. Damals ging es um das Vermeiden von Pestiziden in der Nahrung; dass die eignen Früchte auch besser schmecken, habe ich erst im Lauf der Zeit bemerkt. Wir bereiteten uns auf einige Jahre in Afrika vor und lasen einschlägige Bücher. Das Buch über Selbstversorgung von John Seymour war damals ein Klassiker: Er hatte in den britischen Kolonien Erfahrungen gesammelt und dann in England weitergemacht. In Tansania konnten wir unsere Erfahrungen machen.

Noch immer bewundere ich erfolgreiche Gärtner, und verstehe ihren Stolz auf eigene Früchte. Aber wenn ich hier, in meinem kleinen Stadtgarten, Gemüse im frühen Frühling vorgezogen habe, Platz im Garten geopfert, den man auch mit schönen Blumen hätte füllen können, regelmäßig goss und auch düngte, dann werden die Früchte reif, wenn sie im Laden sehr wenig kosten und auch ganz lecker sind. Anders war es in Tansania, wo es vieles nicht zu kaufen gab. Schon deswegen ist es nicht vergleichbar, weil wir je zwei festangestellte Gärtner und Köchinnen hatten.

Jetzt ziehe ich Kürbisse, aus eigenen Kernen. Sie entwickeln sich schön, mit riesigen Blättern und Blüten, die man als Gemüse in Butter wenden kann. Die Kürbisfrüchte, es kommen etwa zwei bis vier aus 4 bis 5 Pflanzen, sind leckere rote Hokkaido. Zur Erntezeit gibt es sie im Reformhaus für weniger als € 2 das Stück zu kaufen, einen Unterschied kann ich nicht schmecken. Gekaufte Zucchini schmecken auch nicht schlechter als die aus eigener Ernte. Sie können auch in unseren Breitengraden sehr groß werden und sollten vorher geerntet werden, etwa wenn sie so groß sind wie kleine Schlangengurken, sonst schmecken sie nicht mehr. Bei ihnen hatte ich zweimal eine Schwemme erlebt, während derer man sich sogar unbeliebt machte, wenn man Freunden und Nachbarn die selbstgezogenen Zucchini mitbrachte. Auch sie aßen schon seit Wochen nur Gerichte mit diesem Gemüse. In anderen Jahren kamen keine.

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Tomaten im Überfluss

Drei Jahre, nachdem ich das Kapitel zu den Tomaten geschrieben hatte, und in dem ich von meinem Traum berichtete, irgendwann mal Tomaten im Überfluss zu haben, ist es so weit! Wir haben zwar noch keine Tomatensuppen gemacht, aber reichlich gegessen und auch verschenkt.

Inzwischen weiß ich auch mehr darüber, was man falsch machen kann. Da sind erst einmal die Sorten: Wir haben überwiegend Harzfeuer und eine Cocktailtomate, beides schon in der DDR bewährte Sorten und sie tragen gut. Dazu eine mit kleinen eiförmigen Früchten und einige geschenkte Ableger, deren Namen wir nicht kennen. Da nun so viele Tomaten verzehrt werden, befinden sich auch in der selbstkompostierten Erde immer wieder ihre Samen, die sich dann selbst aussäen, wo es ihnen gerade passt. Wegen meiner Schwäche für Wildes lasse ich sie immer dann zu, selbst wenn sie meine ehrgeizigen Pflanzenarrangements (ein bisschen) stören. Eine stand im letzten Jahr so gut, dass wir bis zum Dezember Tomaten ernten konnten.

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Was blüht im Hochsommer?

Was blüht im Hochsommer? An allen Ecken stehen Hortensien mit ihren dauerhaften Blüten. Auch in diesem Sommer sind sie wegen ihrer Schaublüten, die nie zu Samen ausreifen, meine Favoriten. Sie können wochen-, ja, monatelang blühen, manche verändern dann die Farben etwas, die Kyushu und die Eichenblatthortensie, changieren zu Rosatönen.

Und vor der Letzteren steht eine weiße Lilie, mit rosa Streifen, schon wieder ist ein Bild fertig. Dazu kommt das Kapitel, Alle Gärtner sind zugleich Maler, wo ich beschreibe, wie ich in unserem Garten Pflanzenarrangements wie Gemälde inszeniere.

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Alle Gärtner sind zugleich Maler,

maler-3doch nur wenige Maler sind auch Gärtner, mit diesem Satz wird das Kapitel über den Garten von Claude Monet in Giverny eingeleitet. Marie-Françoise Valery hat den Text in einem großen Bildband über Gärten in Frankreich (Taschen) geschrieben. Mir schmeichelt diese Behauptung, weil ich nicht gut malen kann, aber umgeben bin von begabten Menschen: Die beiden Großväter meines Mannes waren Kunstmaler von Beruf und haben ihre Begabungen vererbt, und auch die Schwiegertochter bringt einiges mit: Ihre Mutter ist Bärbel Müller, von der neben dem Titelbild auch einige der Gartenbilder gemalt wurden. Bessere Fotos als ich machen schon die Enkelkinder! Aber die Farben und Formen interessieren mich, und im Garten gestalte ich mit ihnen. Jetzt kann ich mir also einreden, dass auch ich eine Malerin wäre; schon Vita Sackville-West sagte: „… one has the illusion of being an artist painting a picture.“ Ich gebe mich der Illusion hin, ich wäre eine Impressionistin mit Hang zu expressionistischen Kontrapunkten.

„Monet hat die vierzig schon überschritten, als er Giverny für sich entdeckt.“ So beginnt das Buch Ein Garten wird Malerei von Horst Keller (Dumont). Das war 1883. In den ihm bleibenden gut vierzig Jahren hat er mit seiner großen Familie sein Paradies geschaffen, um es malen zu können. In den ersten Jahren legte er den „clos normand“, den Bauerngarten an, wo Gemüse und Blumen gezogen wurden, die Kinder mussten abends wässern. Mehr und mehr säumten Zierpflanzen die Beete, inzwischen bestimmen sie den Garten. Besonders schön ist es im Mai (Tulpen, dann Schwertlilien und Pfingstrosen) und im August (Kapuzinerkresse und Geranien). Alle Pflanzungen tauchen auf seinen Bildern auf. Später gestaltete er in einem anderen Teilstück des Gartens seine Wasserlandschaft. Monet hat Zeit seines Lebens in der Nähe von Gewässern gelebt und sich neben seinem Grundstück einen Bach, die Ru, gekauft. Dieser speist den großen spielerisch geschwungenen Teich, so angelegt, dass er den Wasserstand regulieren konnte. In seinen letzten Lebensjahren, als er schlechter sehen konnte, malte er fast nur noch die riesigen Seerosenbilder, nach Vorlage der Blüten auf diesem Teich, den nymphéas.

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Endlich: Die blaue Hortensie ist wieder blau geworden!

Die blaue Hortensie ist wieder blau geworden! Nun gehen auch bei den letzten Hortensien die Blüten auf, etwa zwei Wochen früher als normal, so warm ist es in diesem Jahr. Im Kapitel zu den Hortensien beschreibe ich meine Mühen um das Blaubleiben blauer Hortensien genauer. Sie brauchen einen besonderen Dünger, der Aluminiumsulfat enthält, zusätzlich muss im geeigneten Moment, wenn die Knospen schon gut ausgebildet sind, der Boden angesäuert werden.

Was habe ich diesmal anders gemacht? Ich habe schon im Februar mit dem Düngen angefangen, also mehr gedüngt, als auf der Packung angegeben war und habe diesmal mit Zitronensäure gesäuert, sonst nahm ich Essigessenz, wie es gerade da war. In einem Heft der Zeitschrift kraut und rüben vom letzten Jahr finde ich den Hinweis, dass es manchmal mehrere Jahre dauert, bis sie uns mit ihrem Blau belohnen, Aber es hat sich gelohnt! Das Blau ist heller und strahlender, als ich es in Erinnerung hatte, es ist schon über zehn Jahre her, dass ich sie geschenkt bekam. Wie man mit den Schwierigkeiten mit blauen Blüten umgeht steht alles im Kapitel Blau im Garten!

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Hortensien

Im Sommer werde ich oft gefragt, ob ich wohl eine besondere Vorliebe für Hortensien habe. Und, wenn ich mich im Garten umgucke, ist der Eindruck nachvollziehbar, sie sind in jeder Ecke. Angefangen mit ihnen habe ich, als die Kinder aus der Schule waren und nicht mehr mit uns verreisten: Wir blieben in den Monaten Juli und August in Haus und Garten, dort gab es vor allem Grün in Grün zu sehen. Nun blühen seit einigen Jahren viele Phloxe, Purpursonnenhüte (Echinacea), Astern, mehr Einjährige und eben Hortensien. Sie vor allem helfen mir, Räume zu gestalten. Neulich war ich in einem schönen und sehr großen Garten. In seiner offenen Weite wirkte er etwas flach, und ich dachte, mit Hortensien hätte er mehr Spannung. Sie fehlten dort als Strukturbildner, die im Juli ihre farbintensiven Blüten zeigen. Rot, Rosa, Blau und Violett, bei mir sind viele weiß. Und selbst die weißen haben Farbtöne, die unterschiedlich leuchten.

Wochenlang blühen sie und verändern dabei nur langsam ihre Farbschattierungen. Ihre große Beständigkeit während des gesamten Hochsommers macht für mich ihren Reiz aus. Was wir sehen, sind sterile Schaublütenblätter. Bei den Bauernhortensien wird der große Blütenkopf von Schaublüten gebildet, bei den anderen, den Tellerhortensien, besteht nur der Rand aus diesen beständigen Schaublüten. Sie können nicht befruchtet werden und bleiben so dauerhaft als Blüten bestehen. Aus anderen Blüten in der Mitte der Tellerhortensien kann auch Samen gewonnen werden. Die Geschichten ihrer Entwicklung zu der in Deutschland am häufigsten produzierten Topfpflanze sind spannend. Die Hortensien wurden meist aus Ostasien eingeführt, teilweise unter dramatischen Umständen, gerade weil sie kaum Samen bilden, die man gut hätte schmuggeln können.

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